Kommunikation in Netzen · Doppelstunde 2

Schichten und Adressen

Wie findet ein Datenpaket den richtigen Weg zum richtigen Gerät – und zur richtigen Anwendung darauf? Heute klären wir die Struktur dahinter: Schichtenmodell, MAC- und IP-Adressen, DHCP, NAT und Ports.

Thema 01 · Struktur

Kommunikation in Schichten

Netzwerkkommunikation ist hochkomplex. Damit sie trotzdem beherrschbar bleibt, teilt man sie in Schichten mit klar getrennten Aufgaben auf. Jede Schicht nutzt die Dienste der darunterliegenden Schicht und bietet selbst Dienste für die nächsthöhere an – das nennt man Modularität: Ein Protokoll in einer Schicht lässt sich austauschen, ohne die ganze Architektur zu ändern.

Das OSI-Modell hat 7 Schichten. Klicke eine Schicht an, um Aufgabe und Beispiel zu sehen.

7

Anwendungsschicht

Schnittstelle für Benutzer bzw. Programme. Protokolle: HTTP(S), FTP, SMTP, DNS.
6

Darstellungsschicht

Übersetzung, Kompression, Verschlüsselung der Daten. Beispiel: SSL/TLS für HTTPS, Zeichencodierung UTF-8.
5

Sitzungsschicht

Aufbau, Steuerung und Beenden von Sitzungen (Verbindungen). Wird heute oft von höheren Protokollen mit übernommen.
4

Transportschicht

Stellt die Ende-zu-Ende-Kommunikation zwischen Anwendungen her, nutzt dafür Ports. Protokolle: TCP und UDP (mehr dazu in der nächsten Doppelstunde).
3

Vermittlungsschicht

Logische Adressierung und Weiterleitung über mehrere Netze hinweg. Nutzt IP-Adressen. Beispiel: Internet Protocol (IP).
2

Sicherungsschicht

Fehlerfreie Übertragung zwischen zwei direkt verbundenen Geräten. Nutzt MAC-Adressen. Beispiel: Ethernet, WLAN, Switches.
1

Bitübertragungsschicht

Übertragung einzelner Bits als elektrische Signale, Lichtimpulse oder Funkwellen. Beispiel: Ethernet-Kabel, WLAN-Frequenzen, Glasfaser.

Das TCP/IP-Modell fasst die 7 OSI-Schichten praxisnäher in 4 Schichten zusammen. Aufgabe: Ordne jede OSI-Schicht der passenden TCP/IP-Schicht zu.

7 · Anwendungsschicht

6 · Darstellungsschicht

5 · Sitzungsschicht

4 · Transportschicht

3 · Vermittlungsschicht

2 · Sicherungsschicht

1 · Bitübertragungsschicht

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Thema 02 · Identifikation im Netz

Wer ist wer?

Damit ein Datenpaket ankommt, braucht jedes Gerät eindeutige Adressen – auf unterschiedlichen Schichten des Modells.

MAC-Adresse

Hardwareadresse einer Netzwerkkarte (Sicherungsschicht).

↓ Details

48 Bit lang, hexadezimal in 6 Blöcken à 2 Zeichen, z. B. 00:1A:2B:3C:4D:5E. Weltweit eindeutig – die ersten 24 Bit sind die Herstellerkennung. Ist fest an die Netzwerkkarte gebunden und identifiziert das Gerät im lokalen Netz (LAN).

IP-Adresse

Logische Adresse für ein Gerät im Netzwerk (Vermittlungsschicht).

↓ Details

IPv4: 32 Bit, vier Dezimalzahlen 0–255, z. B. 192.168.0.15, ca. 4,3 Mrd. Adressen. IPv6: 128 Bit, acht hexadezimale Blöcke, z. B. 2001:0db8:85a3:0000:0000:8a2e:0370:7334, praktisch unerschöpflicher Adressraum. Kann sich ändern und wird zum Routing über mehrere Netze hinweg gebraucht.

IP-Adresse

  • Logisch, kann sich ändern
  • 32 Bit (v4) oder 128 Bit (v6)
  • Wirkt netzübergreifend, weltweit
  • Vermittlungsschicht (Schicht 3)

Aufgabe: Erkenne das Adressformat. Ordne jede Adresse dem richtigen Typ zu.

192.168.0.15

00:1A:2B:3C:4D:5E

2001:0db8:85a3:0000:0000:8a2e:0370:7334

10.0.0.1

AC:DE:48:00:11:22

fe80:0000:0000:0000:0202:b3ff:fe1e:8329

0 / 6 beantwortet

Thema 03 · Vergabe und Übersetzung

Feste oder wechselnde Adresse?

IP-Adressen können fest eingerichtet oder automatisch vergeben werden. Und weil es viel zu wenige öffentliche IPv4-Adressen für alle Geräte der Welt gibt, teilen sich viele Geräte eine gemeinsame öffentliche Adresse.

Statische Adressierung

Die IP-Adresse wird fest, von Hand konfiguriert.

↓ Details

Sinnvoll für Geräte, die immer unter derselben Adresse erreichbar sein müssen – z. B. Server, Drucker im Firmennetz. Nachteil: manueller Aufwand, Adresskonflikte möglich, wenn nicht sauber verwaltet.

Dynamische Adressierung (DHCP)

Die IP-Adresse wird automatisch vom DHCP-Server vergeben.

↓ Details

Dynamic Host Configuration Protocol: Gerät fragt beim Verbinden automatisch eine freie Adresse an, die zeitlich befristet ("Lease") vergeben wird. Praktisch für Endgeräte in Heim- und Schulnetzen – kein manueller Aufwand.

Aufgabe: Statisch oder dynamisch? Ordne zu.

Dein Smartphone bekommt beim Verbinden mit dem Schul-WLAN automatisch eine IP-Adresse.

Ein Webserver muss dauerhaft unter derselben Adresse erreichbar sein.

Dein Laptop bekommt zuhause vom Router automatisch eine IP-Adresse aus einem Adresspool.

Ein Netzwerkdrucker im Büro soll immer unter derselben festen Adresse ansprechbar sein.

0 / 4 beantwortet

NAT – Network Address Translation

Zuhause haben alle Geräte eine private Adresse (z. B. 192.168.x.x), die nur im lokalen Netz gilt. Der Router übersetzt diese über NAT in eine gemeinsame öffentliche Adresse fürs Internet.

Gerätprivate IP: 192.168.0.15
RouterNAT-Übersetzung
Internetöffentliche IP
mehrere Geräte im Heimnetz teilen sich eine einzige öffentliche IP-Adresse

Damit Antworten aus dem Internet beim richtigen Gerät ankommen, führt der Router eine NAT-Tabelle: Für jedes Gerät merkt er sich, über welchen externen Port dessen Anfragen laufen.

GerätPrivate AdresseExterner Router-Port
Laptop192.168.0.10:5123440001
Smartphone192.168.0.11:5289040002
Tablet192.168.0.12:5341040003
Smart-TV192.168.0.13:5412040004

Aufgabe: Verstanden, wie NAT funktioniert? Ordne die Aussagen als richtig oder falsch ein.

Ohne die NAT-Tabelle könnte der Router eine Antwort aus dem Internet nicht dem richtigen Gerät zuordnen.

Damit NAT funktioniert, braucht jedes Gerät im Heimnetz eine eigene öffentliche IP-Adresse.

Wählen zwei Geräte zufällig denselben internen Port, weist der Router ihnen trotzdem unterschiedliche externe Ports zu.

Die NAT-Tabelle bleibt dauerhaft gleich, egal welche Verbindungen gerade offen sind.

0 / 4 beantwortet

Thema 04 · Die letzte Tür

Vom Rechner zur Anwendung

Die IP-Adresse findet den richtigen Rechner im Netz. Aber welcher Dienst auf diesem Rechner die Daten bekommen soll, entscheidet der Port – eine Nummer zwischen 0 und 65535, die als logische "Tür" zu einem bestimmten Dienst dient. Über die Ports läuft die Kommunikation dann per TCP oder UDP – diese Transportprotokolle vertiefen wir in der nächsten Doppelstunde.

Well-known Ports

0 – 1023

Feste, standardisierte Dienste. Beispiele: HTTP (80), HTTPS (443), FTP (21), SMTP (25).

Registered Ports

1024 – 49151

Von Anwendungen und Herstellern reserviert, z. B. für bestimmte Serverdienste oder Spiele.

Dynamic / Private Ports

49152 – 65535

Temporäre Verbindungen, automatisch vergeben – z. B. beim Aufruf einer Webseite auf deinem Gerät.

Aufgabe: Ordne die Portnummer dem passenden Bereich zu.

Port 80 (HTTP)

Port 443 (HTTPS)

Port 21 (FTP)

Port 3306 (Datenbankdienst MySQL)

Port 27015 (Online-Spiel-Server)

Port 55123 (temporär beim Surfen vergeben)

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Praxisbeispiel: Der Weg einer E-Mail

Verfolge Schritt für Schritt, wie eine E-Mail alle vier Schichten durchläuft. Beim Senden werden auf jeder Schicht Protokoll-Informationen hinzugefügt (Einkapselung), beim Empfangen wieder entfernt (Entkapselung).

Hinweg · Einkapselung Stufe 1 von 8
Netzzugang · Frame
Internet · Paket
Transport · Segment
Anwendung · Nachricht
✉️

Abschluss

Teste dein Wissen

1. Warum wird Netzwerkkommunikation in Schichten aufgeteilt?

Jede Schicht hat klar definierte Aufgaben und nutzt nur die darunterliegende Schicht – so lässt sich z. B. ein Protokoll austauschen, ohne die ganze Architektur zu ändern.

2. Welche OSI-Schichten entsprechen zusammen der Anwendungsschicht im TCP/IP-Modell?

Das TCP/IP-Modell fasst die OSI-Schichten 5 bis 7 in einer gemeinsamen Anwendungsschicht zusammen.

3. Was kennzeichnet eine MAC-Adresse?

Die MAC-Adresse ist eine 48-Bit-Hardwareadresse, z. B. 00:1A:2B:3C:4D:5E – weltweit eindeutig und fest.

4. Wie viele Bit lang ist eine IPv6-Adresse?

IPv4 ist 32 Bit lang, IPv6 dagegen 128 Bit – dadurch ein praktisch unerschöpflicher Adressraum.

5. Wofür steht DHCP?

DHCP (Dynamic Host Configuration Protocol) vergibt IP-Adressen automatisch und befristet an Geräte, die sich neu mit dem Netz verbinden.

6. Wofür sorgt NAT (Network Address Translation)?

NAT übersetzt die privaten Adressen im Heimnetz (z. B. 192.168.0.15) in die öffentliche Adresse des Routers, damit mehrere Geräte sich eine öffentliche IP teilen können.

7. In welchem Bereich liegen "well-known ports" wie HTTP (80) oder HTTPS (443)?

Well-known Ports liegen im Bereich 0–1023 und sind fest standardisierten Diensten zugeordnet.

8. Beim Aufruf von https://example.com: Wofür sorgt Port 443 konkret?

Die IP-Adresse findet den Rechner, die MAC-Adresse das Gerät im LAN – der Port sorgt dafür, dass die Daten beim richtigen Dienst auf diesem Rechner ankommen.

"MAC-Adresse, IP-Adresse und Port erfüllen jeweils eine eigene Aufgabe. Warum würde es nicht reichen, nur eine dieser drei Adressierungen zu haben?"

Diskutiert: Was würde konkret schiefgehen, wenn es nur IP-Adressen, aber keine Ports gäbe? Und was, wenn jedes Gerät nur seine MAC-Adresse, aber keine IP-Adresse hätte?