Sichere Dienste wählen, Datenpreisgabe verstehen und die eigenen Rechte kennen — ein interaktiver Überblick für den Informatik-GK der 12. Klasse.
Informatik Grundkurs · Klasse 12
Modul 01
Datenschutz schützt nicht „Daten", sondern Menschen. Es geht um das Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung — das Recht, selbst darüber zu entscheiden, wer welche persönlichen Informationen über uns kennt und verwendet.
Klicke auf eine Karte, um Details und Beispiele zu sehen.
Name, Geburtsdatum, Adresse, Geschlecht
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Clickstreams, Suchverläufe, App-Nutzung
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Gesundheit, Religion, Biometrie, Sexualität
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Zeitstempel, IP-Adressen, Geräteinfo, Standort
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Die DSGVO reguliert jeden einzelnen Schritt dieses Zyklus — von der Erhebung (Rechtsgrundlage nötig) bis zur Löschung (Recht auf Vergessenwerden, Art. 17).
Modul 02
Die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO / GDPR) gilt seit dem 25. Mai 2018 in allen EU-Mitgliedstaaten. Sie ist unmittelbar geltendes Recht — kein Vorschlag, sondern eine Verordnung. Verstöße können bis zu 20 Mio. € oder 4 % des weltweiten Jahresumsatzes kosten.
| Grundsatz | Bedeutung | Praxisbeispiel |
|---|---|---|
| Rechtmäßigkeit, Transparenz Art. 5 Abs. 1 lit. a |
Jede Verarbeitung braucht eine Rechtsgrundlage (Art. 6) und muss für Betroffene nachvollziehbar sein. | Cookie-Banner muss echte Wahlfreiheit bieten, nicht nur „Alle akzeptieren". |
| Zweckbindung Art. 5 Abs. 1 lit. b |
Daten dürfen nur für den Zweck verwendet werden, für den sie erhoben wurden. | E-Mail für Newsletter-Versand erhoben → darf nicht für Kreditscoring genutzt werden. |
| Datenminimierung Art. 5 Abs. 1 lit. c |
Nur die Daten erheben, die für den konkreten Zweck erforderlich sind. | Online-Shop: Geburtsdatum für Warenlieferung nicht erforderlich → darf nicht als Pflichtfeld stehen. |
| Richtigkeit Art. 5 Abs. 1 lit. d |
Personenbezogene Daten müssen sachlich richtig und aktuell sein. | Falsche Schufa-Einträge müssen berichtigt werden (Art. 16). |
| Speicherbegrenzung Art. 5 Abs. 1 lit. e |
Daten nur so lange speichern, wie für den Zweck nötig — danach löschen. | Bewerbungsunterlagen nach Absage: max. 6 Monate, dann Löschpflicht. |
| Integrität & Vertraulichkeit Art. 5 Abs. 1 lit. f |
Angemessene technische und organisatorische Maßnahmen (TOMs) zum Schutz. | Verschlüsselung, Zugriffskontrollen, regelmäßige Backups, Pseudonymisierung. |
| Rechenschaftspflicht Art. 5 Abs. 2 |
Der Verantwortliche muss die Einhaltung aller Grundsätze nachweisen können. | Verarbeitungsverzeichnis (Art. 30), Datenschutz-Folgenabschätzung (Art. 35). |
Klicke auf eine Karte, um die Rechtsgrundlage zu vertiefen.
Freiwillig, informiert, unmissverständlich, widerrufbar
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Daten, die zur Erfüllung eines Vertrags nötig sind
↓ Details
Interessenabwägung: Unternehmen vs. Betroffener
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Steuerrecht, Handelsrecht, Geldwäschegesetz
↓ Details
0 / 7 geprüft
Modul 03
Zwischen „kostenlos" und „sicher" liegt oft ein fundamentaler Widerspruch. Wer die richtigen Dienste wählt und sein eigenes Datenverhalten reflektiert, macht informationelle Selbstbestimmung zur Praxis.
Klicke auf eine Karte, um das Ergebnis aufzudecken.
„Ich habe nichts zu verbergen, also ist Datenschutz mir egal."
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„Der Inkognito-Modus macht mich anonym im Internet."
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„Unternehmen müssen mir innerhalb eines Monats Auskunft erteilen."
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„Wenn ein Dienst kostenlos ist, ist er auch harmlos."
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„Die DSGVO gilt auch für Unternehmen außerhalb der EU."
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„Ende-zu-Ende-Verschlüsselung schützt auch die Metadaten."
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Dieser Chat enthält mehrere Datenschutzverstöße. Findest du sie? Analysiere erst selbst, dann decke auf.
Lena
Tom
Jonas
Sarah
Mia
Bringe die Schritte in die richtige Reihenfolge.
Vertiefung
Datenschutz ist kein abstraktes Regelwerk, sondern wird in konkreten Situationen relevant. Klicke auf ein Szenario, um die juristische Einordnung zu sehen.
🏢 Ein Arbeitgeber liest die privaten E-Mails seiner Mitarbeiter auf dem Firmen-Laptop. Zulässig?
Klicken für Analyse
📍 Eine Fitness-App verkauft anonymisierte Standortdaten an Werbenetzwerke. Unbedenklich?
Klicken für Analyse
🎓 Eine Schule setzt Microsoft 365 für den Unterricht ein. Datenschutzkonform?
Klicken für Analyse
🤖 Ein KI-Chatbot wird mit personenbezogenen Kundendaten trainiert. Welche DSGVO-Pflichten entstehen?
Klicken für Analyse
Modul 04
10 Fragen zum Datenschutz, zur DSGVO und zu sicheren Diensten. Wähle die richtige Antwort.
Dein Ergebnis
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Nachschlagewerk
Klicke auf einen Begriff, um die Definition aufzudecken.
Personenbezogene Daten
→ Definition aufdecken
Alle Informationen, die sich auf eine identifizierte oder identifizierbare natürliche Person beziehen (Art. 4 Nr. 1 DSGVO). Dazu gehören nicht nur Name oder E-Mail, sondern auch IP-Adressen, Cookie-IDs oder Standortdaten.
Auftragsverarbeitung
→ Definition aufdecken
Wenn ein Dritter im Auftrag des Verantwortlichen Daten verarbeitet (Art. 28). Beispiel: Cloud-Hoster, Newsletter-Dienstleister. Erfordert einen Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV) mit verbindlichen Weisungen und TOMs.
Pseudonymisierung
→ Definition aufdecken
Verarbeitung so, dass Daten ohne Zusatzinformationen nicht mehr einer Person zugeordnet werden können (Art. 4 Nr. 5). Anders als Anonymisierung bleibt eine Re-Identifikation möglich → Daten bleiben personenbezogen und DSGVO-geschützt.
Privacy by Design
→ Definition aufdecken
Datenschutz muss von Anfang an in die technische Entwicklung eingebaut werden (Art. 25). Nicht „Datenschutz als Nachtrag", sondern als Architekturprinzip: Standardmäßig datensparsam, verschlüsselt, zugriffsgeschützt.
Dark Patterns
→ Definition aufdecken
Manipulative UI-Designmuster, die Nutzer zu datenschutzunfreundlichen Entscheidungen verleiten. Beispiele: „Alle akzeptieren" groß und bunt vs. „Ablehnen" klein und grau; Confirm-Shaming („Nein, ich möchte keine Vorteile"); versteckte Opt-Outs.
Drittlandtransfer
→ Definition aufdecken
Übermittlung personenbezogener Daten in Länder außerhalb des EWR (Art. 44–49). Zulässig nur mit Angemessenheitsbeschluss (z. B. EU-US Data Privacy Framework), Standardvertragsklauseln (SCCs) oder verbindlichen Unternehmensregeln (BCRs).
DSFA
→ Definition aufdecken
Datenschutz-Folgenabschätzung (Art. 35). Pflicht bei Verarbeitungen mit hohem Risiko für Betroffene (z. B. Profiling, Videoüberwachung öffentlicher Bereiche, KI-basierte Scoring-Systeme). Muss Risiken beschreiben, bewerten und Gegenmaßnahmen dokumentieren.
Marktortprinzip
→ Definition aufdecken
Die DSGVO gilt nicht nur für EU-Unternehmen, sondern für jeden, der Waren/Dienste an Personen in der EU anbietet oder deren Verhalten beobachtet (Art. 3 Abs. 2). Dadurch müssen sich auch US-Techkonzerne an die DSGVO halten.
„Die EU plant mit der Chatkontrolle (CSA-Verordnung) eine verpflichtende Durchleuchtung aller privaten Nachrichten zum Schutz von Kindern vor Missbrauch. Kritiker sagen, das bricht die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung und führt zu Massenüberwachung. Befürworter argumentieren, der Kinderschutz wiege schwerer.
Wo ziehst du die Grenze zwischen Sicherheit und Privatsphäre? Kann es ein „bisschen" Überwachung geben, oder ist Verschlüsselung binär?"