Informationen und Daten · Klasse 7 · Block 4 von 6

Daten als
Text

Ein Computer kennt keine Buchstaben — nur Zahlen. Wie aus "A" die Zahl 65 wird, warum Umlaute lange ein Problem waren, und wie Unicode heute jede Sprache der Welt speichern kann.

ASCII Latin-1 ISO 8859 Unicode / UTF-8
01 · Grundfrage

Vom Bit zum Zeichen

Ein einzelnes Bit kann nur zwei Werte speichern (0 oder 1) — damit lässt sich höchstens „Ja" oder „Nein" ausdrücken. Für Buchstaben braucht man mehr.

Wie viele Zeichen passen in 8 Bit?

Stellt man 8 Bits nebeneinander — eine Folge aus acht Nullen und Einsen — ergeben sich viel mehr mögliche Kombinationen. Das kennst du schon aus dem letzten Block: es ist genau die gleiche Rechnung wie bei der Bitanzahl.

2 · 2 · 2 · 2 · 2 · 2 · 2 · 2 = 2⁸ = 256

Mit 8 Bit lassen sich 256 verschiedene Werte darstellen — von 0 bis 255. Genug für alle Buchstaben, Ziffern und Satzzeichen einer Sprache? Das schauen wir uns jetzt an.

02 · Der erste Standard

ASCII – die Zeichentabelle des Computers

Als Computer in den 1960er-Jahren Buchstaben speichern sollten, einigte man sich auf den ASCII-Code (American Standard Code for Information Interchange).

🕰️ 7 Bit, 128 Zeichen

ASCII nutzt 7 Bit — das reicht für 2⁷ = 128 verschiedene Zeichen.

  • Groß- und Kleinbuchstaben A–Z, a–z
  • Ziffern 0–9
  • Satzzeichen (! ? , . ; …)
  • Steuerzeichen (z. B. Zeilenumbruch)
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✔️ Damit ging's

Englische Texte ließen sich problemlos speichern und austauschen.

Da Englisch keine Umlaute, Akzente oder Sonderbuchstaben braucht, kam man mit 128 Zeichen lange sehr gut aus.

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⚠️ Aber dann kam die Welt

Mit 7 Bit ließen sich keine Umlaute wie ä, ö, ü darstellen.

Computer wurden bald weltweit eingesetzt — in Deutschland, Frankreich, Spanien, Polen und vielen anderen Ländern, die eigene Sonderzeichen benutzen (é, ñ, ç, ß …).

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Ausschnitt aus der ASCII-Tabelle

Jedem Zeichen ist eine feste Zahl zugeordnet.

Jede Zelle zeigt drei Werte übereinander: das Zeichen selbst, seine Dezimalzahl und darunter in Blau die Binärzahl (7 Bit) — genau die Zahl, die der Computer tatsächlich speichert.

Vorgeschichte: Was gab es vor ASCII?

Über 100 Jahre lang gab es schon Fernkommunikation — aber jede Erfindung sprach ihre eigene Sprache. Klicke dich durch die Vorgeschichte von ASCII.

Der Ausgangspunkt

Fernkommunikation, aber ohne gemeinsame Sprache

Lange bevor es Computer gab, wollten Menschen schon Nachrichten über weite Strecken schicken — schneller als ein Brief mit der Post. Schon ab 1837, also über 100 Jahre vor ASCII, gab es dafür erste Maschinen. Das Problem: Jede Erfindung hatte ihren eigenen Code. Eine Maschine konnte nicht mit der anderen „sprechen".

Ab 1837 · variable Zeichenlänge
Morseapparat

Morse: Punkte und Striche

Der Morsecode war einer der ersten. Jeder Buchstabe wurde durch eine Folge aus kurzen und langen Signalen dargestellt — Punkte und Striche. Ein „E" war nur ein Punkt, ein „Q" dagegen vier Zeichen lang. Das Problem: Die Zeichen waren unterschiedlich lang, was das Maschinen-Lesen kompliziert machte. Ein Mensch musste die Signale mit dem Ohr oder Auge entschlüsseln.

1874 · 5 Bit, feste Länge
Baudot-Gerät

Baudot: der erste feste Code

1874 kam eine neue Idee: der Baudot-Code. Anders als bei Morse hatte hier jedes Zeichen genau die gleiche Länge — 5 Bit. Das war ein wichtiger Schritt, denn genau dieses Prinzip (jedes Zeichen bekommt gleich viele Bits) nutzt ASCII später auch — nur eben mit 7 Bit statt 5.

Ab 1890 · Lochkarten
Hollerith-Maschine

Hollerith: Löcher als Daten

Etwa ab 1890 kodierte man Daten ganz anders: mit Loch-Mustern auf Pappkarten. Die Hollerith-Maschine las die Löcher mechanisch aus und zählte damit z. B. die Volkszählung in den USA aus. Auch hier: eine eigene, feste Codierung — aber komplett anders als bei Morse oder Baudot.

Fernschreiber & Ticker
Fernschreiber (Telex) Börsen-Ticker

Der Fernschreiber (Telex) und die Ticker

Auf Basis von Codes wie Baudot entstanden Fernschreiber („Telex"): Man tippte auf einer Tastatur, und am anderen Ende der Leitung tippte eine Maschine automatisch den gleichen Text. Nachrichtenagenturen wie die Associated Press nutzten das, um Meldungen weltweit zu verschicken. Börsen-Ticker empfingen Kursdaten über Telegraphenleitungen und druckten sie automatisch auf schmale Papierstreifen.

Das Kernproblem

Keine Kompatibilität

All diese Systeme funktionierten — aber jedes für sich. Ein Morsegerät konnte keinen Baudot-Code lesen, eine Hollerith-Maschine keinen Telex-Text. Es gab keinen gemeinsamen Standard. Als dann Computer entstanden, wurde das zum echten Problem: Jeder Hersteller kochte sein eigenes Süppchen.

1963 · der gemeinsame Standard
Wege zum ASCII-Standard

ASCII: die Vereinigung

1963 einigte man sich deshalb auf einen gemeinsamen Standard: ASCII. Er übernahm gute Ideen aus mehreren Vorgängern — die feste Zeichenlänge von Baudot, Einflüsse aus der Lochkarten-Welt von Hollerith — und schuf daraus ein System, das (fast) alle Geräte verstehen konnten. Damit war zum ersten Mal eine gemeinsame Basis da, auf der Computer wirklich miteinander „reden" konnten.

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03 · Erweiterungen

Latin-1 & die ISO-Familie

Die Lösung lag zunächst nahe: ASCII um ein achtes Bit erweitern. Doch das reichte nicht für die ganze Welt.

Latin-1 (ISO 8859-1)

Mit dem achten Bit verdoppelt sich die Anzahl möglicher Zeichen von 128 auf 2⁸ = 256. Die zusätzlichen 128 Plätze wurden für westeuropäische Sonderzeichen genutzt: ä, ö, ü, ß, é, ñ, ç und weitere.

Und was war mit Griechisch, Hebräisch & Co.?

Mit Latin-1 (ISO 8859-1) konnte man nur westeuropäische Sprachen schreiben. Sprachen wie Griechisch, Hebräisch, Polnisch oder Tschechisch benutzen aber ganz andere Buchstaben (α, β, γ oder א, ל, ש) — die passten nicht mehr in die 256 Zeichen von Latin-1. Also entstanden viele weitere ISO-8859-Tabellen — je eine pro Sprachraum.

Das Problem: Jeder Sprachraum bzw. jedes Schriftsystem brauchte seine eigene Tabelle. Ein Text, der auf einem griechischen Computer richtig aussah, konnte auf einem deutschen Computer plötzlich nur noch komische Zeichen zeigen.

Richtig kodiert
Größe: 42 €
Falsches Encoding
Größe: 42 €

So sieht es aus, wenn ein Text in der einen Kodierung gespeichert, aber in einer anderen gelesen wird ("Mojibake"). Genau dieses Problem passierte ständig, als jede Sprache ihre eigene Tabelle hatte.

04 · Die Lösung

Unicode & UTF-8

In den 1990er-Jahren erfand man ein einheitliches System: Unicode. Damit lassen sich alle Zeichen der Welt speichern — Buchstaben, Zahlen, Emojis, Ideogramme, Hieroglyphen, sogar seltene Schriftzeichen. UTF-8 ist die heute gebräuchlichste Art, Unicode als Bits zu speichern.

Ein kurzer Zeitstrahl

ASCII1963 · 7 Bit · 128 Zeichen
Latin-1 / ISO-Familieca. 1987 · 8 Bit · 256 Zeichen je Tabelle
Unicode / UTF-8Unicode ab 1991 · UTF-8 ab 1992
Merksatz: Unicode legt fest, welche Nummer ein Zeichen hat. UTF-8 legt fest, wie diese Nummer als Bytes gespeichert wird.

Interaktiver Zeichen-Encoder

Gib einen kurzen Text ein und sieh, welche Zahl und welches Bitmuster jedes Zeichen bekommt. ASCII-Zeichen (Zahlen 0–127) passen in 7 Bit — Zeichen außerhalb (z. B. ä, ö, ü, Emojis) brauchen in UTF-8 mehrere Bytes.

ASCII-Zeichen (grau umrandet) belegen in UTF-8 ein volles Byte, dessen führendes Bit immer 0 ist — deshalb sieben Nutz-Bit, aber acht Stellen. Rot umrandet = außerhalb von ASCII — jedes Kästchen zeigt ein einzelnes UTF-8-Byte; rot = erstes Byte, blau = Fortsetzungsbyte (beginnt immer mit 10).

Werkstatt: UTF-8-Detektiv

Wähle ein Zeichen aus verschiedenen Sprachen der Welt und finde heraus, wie es UTF-8 tatsächlich in Bytes zerlegt. Bearbeite die vier Schritte der Reihe nach — der nächste Schritt wird freigeschaltet, sobald deine Lösung stimmt.

Fall für Fall entschlüsseln

6 Zeichen aus 6 Sprachen warten auf ihre Byte-Zerlegung.

0 von 6 Zeichen
1Zeichen wählen
2Byte-Anzahl schätzen
3Bytefolge zuordnen
4Ergebnis
1
Ein Zeichen auswählen

Klicke auf ein Zeichen aus einer der sechs Sprachen.

2
Byte-Anzahl schätzen

Wie viele Bytes braucht dein gewähltes Zeichen wohl in UTF-8?

3
Die richtige Bytefolge finden

Eine der drei Bitfolgen ist korrekt. Denk daran: Jedes Fortsetzungsbyte in UTF-8 beginnt mit 10.

4
Ergebnis

Deine Zerlegung im Überblick.

Tipp: Nach jedem gelösten Zeichen kannst du direkt das nächste wählen — so entschlüsselst du nach und nach alle sechs.

05 · Wissen testen

Dein Quiz

Teste dein Wissen zu ASCII, Latin-1, der ISO-Familie und Unicode/UTF-8.

0/7
Punkte erreicht
06 · Diskussion

Zum Nachdenken

„Eine Zahl für jeden Buchstaben der Welt — geht das wirklich?"
Warum hätte man nicht von Anfang an eine Tabelle für alle Sprachen der Welt bauen können, statt erst ASCII, dann Latin-1, dann viele ISO-Varianten?
Emojis wie 😀 haben auch einen Unicode-Wert. Was sagt das darüber aus, was Unicode eigentlich alles als „Zeichen" behandelt?
Ein altes Programm liest eine Datei versehentlich mit der falschen Kodierung. Was könnte im schlimmsten Fall mit wichtigen Informationen (z. B. einer Rechnungssumme) passieren?