Du schreibst keinen Text wie in Word — du schreibst Anweisungen, aus denen ein Programm ein perfekt formatiertes PDF baut. Willkommen bei LaTeX.
Bei Word siehst du sofort, wie die Seite aussieht (WYSIWYG — „What You See Is What You Get"). Bei LaTeX schreibst du reinen Text mit Befehlen. Ein Programm — der Compiler — verwandelt diesen Text dann in ein PDF. Diesen Vorgang nennt man kompilieren.
Alle Überschriften, Abstände und Nummerierungen sehen automatisch gleich aus.
Kapitel, Abbildungen, Formeln — alles zählt sich selbst.
Mathematische Formeln sehen aus wie gedruckt — nicht wie Formeleditor-Gebastel.
Du denkst über Inhalt nach, nicht über Pixel-Positionen.
%Alles nach einem %-Zeichen bis zum Zeilenende wird beim Kompilieren komplett ignoriert. Praktisch für Notizen im Quelltext oder um Zeilen testweise auszublenden.
Das hier wird angezeigt.
% Das hier NICHT — reine Notiz für mich selbst.
% TODO: später noch ein Beispiel ergänzen
Wir nutzen Overleaf — eine Website, die LaTeX direkt im Browser kompiliert. Kein Programm zu installieren, kein Account zwingend nötig, aber mit Account werden Projekte gespeichert.
Auf overleaf.com öffnen → „Register" → mit E-Mail-Adresse oder Google-Konto anmelden.
„New Project" → „Blank Project" wählen, einen Projektnamen vergeben (z. B. „Meine erste Datei").
Links siehst du den Quelltext (der Editor), rechts die PDF-Vorschau. Das ist die wichtigste Ansicht — sie bleibt für alle drei Module gleich.
Lösche den vorhandenen Beispieltext komplett und tippe das Grundgerüst von unten ab.
Klick auf „Recompile" (grüner Button oben). Rechts erscheint dein PDF. Jede Änderung im Quelltext braucht diesen Klick, um sichtbar zu werden.
Jedes LaTeX-Dokument braucht mindestens diese drei Zeilen. \begin{document} und \end{document} bilden dabei eine Umgebung — dieses Muster (etwas öffnen, etwas schließen) begegnet dir in LaTeX ständig.
\documentclass{article}
\begin{document}
Hallo Welt! Das ist mein erstes LaTeX-Dokument.
\end{document}
\documentclass{article} legt den Dokumenttyp fest — für Berichte reicht article völlig. Alles, was im Dokument erscheinen soll, steht zwischen \begin{document} und \end{document}.Fehler gehören dazu — jeder, der LaTeX benutzt, sieht ständig rote Fehlermeldungen. Die wichtigste Fähigkeit ist nicht, keine Fehler zu machen, sondern die Fehlermeldung zu lesen und zu verstehen, was sie dir sagen will. Rate bei jedem Beispiel zuerst, dann deckst du die echte Overleaf-Meldung auf.
\textbf{Wichtiger Hinweis
Bitte lesen.
} gewartet, aber stattdessen kam eine Leerzeile (= neuer Absatz). Jede öffnende { braucht ihre eigene schließende } — Overleaf zählt das nicht selbstständig nach, das musst du.\textbi{Dieser Text soll fett und kursiv sein.}
\textbi gibt es nicht — gemeint waren wahrscheinlich \textbf (fett) oder \textit (kursiv). Diese Meldung heißt fast immer: Tippfehler im Befehlsnamen.\begin{itemize}
\item Erster Punkt
\item Zweiter Punkt
Weiterer Text im Dokument.
\begin{...} braucht sein passendes \end{...} — hier fehlt \end{itemize}. LaTeX sucht danach bis zum Ende des Dokuments und meldet erst dort den Fehler. Deshalb lohnt es sich, direkt nach dem Tippen von \begin{...} sofort das \end{...} mitzuschreiben.{ eine passende }?\begin{...} ein \end{...}?\ nicht vergessen)?\end{document}?Jetzt bauen wir das Grundgerüst zu einem echten Dokument aus: Titelseite, Kapitel, Inhaltsverzeichnis.
\documentclass{article}
\title{Mein erster Bericht}
\author{Max Mustermann}
\date{\today}
\begin{document}
\maketitle
\tableofcontents
\section{Einleitung}
Hier beginnt der Haupttext.
\subsection{Ausgangslage}
Ein Unterpunkt der Einleitung.
\section{Fazit}
Der Abschlussabschnitt.
\end{document}
\section{...} nummeriert automatisch — fügst du später ein Kapitel ein, stimmt die Nummerierung trotzdem noch.Klicke oben auf „So sieht's ungefähr aus", um eine Annäherung an das kompilierte Ergebnis zu sehen.
Hier beginnt der Haupttext.
Ein Unterpunkt der Einleitung.
\textbf{Fett gesetzter Text}
\textit{Kursiv gesetzter Text}
Eine Leerzeile erzeugt einen neuen Absatz.
Ein Zeilenumbruch \\ ohne neuen Absatz.
Diese Zeichen haben in LaTeX eine besondere Bedeutung. Willst du sie als normalen Text schreiben, musst du sie „escapen".
% im Quelltext?\begin{itemize} kein passendes \end{itemize} hat?„Wann lohnt sich LaTeX gegenüber Word — und wann eher nicht?"
Denkt an: Gruppenarbeit in Echtzeit, Formeln, sehr lange Dokumente, spontane Layout-Änderungen, den Aufwand am Anfang.