Ein einziges Muster erklärt fast alles in LaTeX: etwas öffnen, etwas füllen, etwas schließen. Heute lernst du, wie weit dieses Prinzip trägt — von der einfachen Liste bis zur referenzierten Abbildung.
In Modul 1 hast du schon eine Umgebung benutzt, ohne dass wir sie so genannt haben: \begin{document} ... \end{document}. Genau dieses Muster — öffnen, füllen, schließen — taucht in LaTeX immer wieder auf. Wer es einmal verstanden hat, kann sich fast jede neue Umgebung selbst erschließen.
Alle vier Umgebungen funktionieren nach demselben Muster — nur der Name und der Inhalt dazwischen ändern sich. itemize und tabular lernst du heute genau kennen, figure in Std. 4, equation erst in Modul 3.
Aufzählung ohne Nummerierung.
\begin{itemize}
\item Punkt eins
\end{itemize}Einfache Tabelle mit Spalten und Zeilen.
\begin{tabular}{ll}
A & B \\
\end{tabular}Abbildung mit Beschriftung und Referenz.
\begin{figure}
\includegraphics{...}
\caption{...}
\end{figure}Abgesetzte, nummerierte Formel.
\begin{equation}
E = mc^2
\end{equation}\begin{name} gehört genau ein \end{name} mit demselben Namen. Fehlt es oder passt der Name nicht, bricht der Compiler mit Fehler ab — das hattest du schon bei \begin{itemize} ohne passendes Ende gesehen.Zwei Listenarten, fast identischer Aufbau: itemize für Aufzählungen mit Punkten, enumerate für automatisch nummerierte Listen. Jeder Eintrag beginnt mit \item.
\begin{itemize}
\item Erster Punkt
\item Zweiter Punkt
\item Dritter Punkt
\end{itemize}
\begin{enumerate}
\item Erster Schritt
\item Zweiter Schritt
\item Dritter Schritt
\end{enumerate}
enumerate zählt LaTeX selbst — genau wie bei \section in Modul 1. Fügst du mittendrin einen \item ein, verschieben sich alle folgenden Nummern automatisch mit.Tabellen sind in LaTeX ein eigenes, größeres Thema — heute reicht das Minimalmuster. Die geschweiften Klammern {ll} legen fest: zwei linksbündige Spalten. & trennt Spalten, \\ beendet eine Zeile.
\begin{tabular}{ll}
Stadt & Einwohner \\
Leipzig & 620\,000 \\
Dresden & 560\,000 \\
\end{tabular}
| Stadt | Einwohner |
| Leipzig | 620 000 |
| Dresden | 560 000 |
\hline zieht eine horizontale Linie, \textbf{...} setzt Text fett — beides kennst du schon aus Modul 1.
\begin{tabular}{ll}
\hline
\textbf{Stadt} & \textbf{Einwohner} \\
\hline
Leipzig & 620\,000 \\
Dresden & 560\,000 \\
\hline
\end{tabular}
| Stadt | Einwohner |
| Leipzig | 620 000 |
| Dresden | 560 000 |
Zusätzliche |-Zeichen im Spaltenmuster {|l|l|} ziehen vertikale Linien zwischen und außen um die Spalten.
\begin{tabular}{|l|l|}
\hline
\textbf{Stadt} & \textbf{Einwohner} \\
\hline
Leipzig & 620\,000 \\
\hline
Dresden & 560\,000 \\
\hline
\end{tabular}
| Stadt | Einwohner |
| Leipzig | 620 000 |
| Dresden | 560 000 |
Auch figure ist nur wieder dieselbe Umgebung mit neuem Namen. Neu sind drei Befehle darin: \includegraphics bindet ein Bild ein, \caption setzt eine Beschriftung, \label vergibt einen Namen für spätere Verweise.
\includegraphics funktioniert, muss einmal \usepackage{graphicx} in die Präambel — den Bereich vor \begin{document}, wo Pakete und Grundeinstellungen stehen. Ohne das Paket bricht der Compiler mit „Undefined control sequence" ab.\usepackage{graphicx}
\begin{figure}
\includegraphics[width=0.8\textwidth]{images/diagramm.png}
\caption{Nutzung ausgewählter Auszeichnungssprachen}
\label{fig:auszeichnungssprachen}
\end{figure}
diagramm.png muss dafür im Overleaf-Projekt liegen, hochgeladen in einen Ordner images/. Der Pfad in \includegraphics{...} muss exakt dazu passen — liegt die Datei woanders, meldet der Compiler „File not found".
Ohne weitere Einstellung beschriftet LaTeX automatisch auf Englisch — „Figure" statt „Abbildung", wie oben zu sehen. Ein einziges Paket in der Präambel stellt das um, ohne dass sich der figure-Code selbst ändert:
\usepackage[ngerman]{babel}
Im Text auf die Abbildung verweisen — nie mit der Nummer von Hand, immer mit \ref:
Wie in Abbildung~\ref{fig:auszeichnungssprachen} zu sehen ist, ...
\ref{fig:auszeichnungssprachen} aktualisiert sich dagegen bei jedem Kompilieren von selbst.Wie in HTML gibt es auch in LaTeX zwei Arten von Verweisen: intern zu einer Stelle im selben Dokument (wie <a href="#anker">) und extern zu einer Adresse im Web (wie <a href="https://...">). Das Paket hyperref macht beide im PDF klickbar.
\usepackage{hyperref}
\refKennst du schon aus dem Abbildungs-Beispiel. Mit hyperref wird daraus automatisch ein Sprung im PDF, ohne dass sich der Befehl selbst ändert:
Wie in Abbildung~\ref{fig:auszeichnungssprachen} zu sehen ist, ...
\ref{...} oft mehrere Seiten weiter oben oder unten. Genau dafür gibt es \clearpage: ein Seitenumbruch, der auch noch wartende Abbildungen oder Tabellen vorher sauber ausgibt.\begin{figure}
\includegraphics[width=0.8\textwidth]{images/diagramm.png}
\caption{Nutzung ausgewählter Auszeichnungssprachen}
\label{fig:auszeichnungssprachen}
\end{figure}
\clearpage
Wie in Abbildung~\ref{fig:auszeichnungssprachen} zu sehen ist, ...
So sieht das im fertigen PDF aus — zwei echte Seiten, dazwischen der Sprung durch \clearpage. Klick auf den Verweis auf Seite 2, um zu sehen, wohin er springt:
Wie in Abbildung 1 zu sehen ist, unterscheiden sich die Auszeichnungssprachen deutlich in ihrer Verbreitung.
\hrefFür Verweise nach außen gibt es einen eigenen Befehl: \href{URL}{Text}. Der Text erscheint im PDF ganz normal, ist aber anklickbar.
Mehr dazu im \href{https://de.wikipedia.org/wiki/LaTeX}{Wikipedia-Artikel zu LaTeX}.
Mehr dazu im Wikipedia-Artikel zu LaTeX.
\ref braucht ein \label im selben Dokument, \href braucht eine vollständige URL. Beide funktionieren nur, wenn \usepackage{hyperref} vorher in der Präambel steht.„Warum lohnt es sich, für Listen, Tabellen und Abbildungen dasselbe Umgebungs-Prinzip zu lernen, statt für jede einen eigenen Befehl auswendig zu lernen?"
Denkt an: neue, unbekannte Umgebungen in Modul 3 (z. B. equation), Fehlersuche, Übertragbarkeit auf Pakete, die ihr noch nicht kennt.