Am Ende von Modul 4 blieb eine Frage offen: Ist eine ChatGPT-Antwort eine Quelle wie jede andere? Heute bekommt ihr die Antwort — und lernt nebenbei, wie LaTeX euer Literaturverzeichnis automatisch baut.
Eine Quelle im wissenschaftlichen Sinn hat einen Autor, der für den Inhalt geradesteht, und sie lässt sich von jedem nachprüfen. Vergleicht das mit einer KI-Antwort — und ihr seht, warum die WOG dafür eigene Regeln braucht.
Wo ihr eine KI-Antwort für eine Aussage verwendet habt, steht ein Kurzbeleg direkt im Fließtext — genauso wie bei Harvard ein Klammerbeleg. Nur die drei Bestandteile sind andere.
Der Prompt übernimmt die Rolle des Titels, das Tool die Rolle des Autors, das Datum ersetzt das Jahr — denn eine KI-Antwort ist tagesgenau. Ein Prompt, der zwei Bildschirmseiten lang war, wird sinnvoll gekürzt.
Jeder Kurzbeleg braucht ein Gegenstück — und das steht nicht im Literaturverzeichnis, sondern in einem eigenen Verzeichnis im Anhang. Es besteht aus zwei Teilen.
| Hilfsmittel | Einsatzform | Betroffene Teile der Arbeit | Bemerkungen |
|---|---|---|---|
| ChatGPT | Erklärung von Fachbegriffen (Rekursion, Laufzeit) | Kapitel 2.1, 2.3 | Antworten anhand des Schulbuchs geprüft |
| ChatGPT | Erzeugung von Testdaten (CSV, 200 Zeilen) | Kapitel 4 | Prompt als Screenshot im Anhang |
| DeepL | Übersetzung des englischen Abstracts | Abstract | anschließend eigenhändig überarbeitet |
| GitHub Copilot | Fehleranalyse in sortiere.py | Kapitel 4.2 | Fehlermeldung + Lösungsvorschlag dokumentiert |
Jedes Werkzeug aus der Tabelle wird einmal vollständig genannt — mit Name und Version, Anbieter und URL. Das entspricht dem, was bei einem Buch der Verlag ist.
| Name + Version | Anbieter | URL |
|---|---|---|
| ChatGPT (GPT-5) | OpenAI | https://chatgpt.com |
| DeepL Translator (Web-Version) | DeepL SE | https://www.deepl.com |
| GitHub Copilot (VS-Code-Erweiterung 1.x) | GitHub / Microsoft | https://github.com/features/copilot |
In der Facharbeit ist das KI-Verzeichnis ein eigenes Anhang-Kapitel — meist mit einer langen Tabelle. Statt sie mitten in main.tex zu tippen, lagert ihr sie in eine zweite Datei aus. Das Hauptdokument bleibt übersichtlich, und die Tabelle lässt sich unabhängig bearbeiten.
\appendix zählt LaTeX Abschnitte als 1, 2, 3 — danach als A, B, C. Ein \section{…} direkt nach \appendix wird automatisch zu „Anhang A", der nächste zu „Anhang B". Setzt \appendix also genau einmal, an der Stelle, wo der Anhang beginnt — meist direkt nach \clearpage..tex-Datei an genau dieser Stelle ein.ki-verzeichnis.tex selbst an diese Stelle getippt. Die Dateiendung .tex darf angegeben werden oder entfallen — beides funktioniert. Die eingebundene Datei enthält keine eigenen Befehle wie \documentclass oder \begin{document}, nur den reinen Inhalt.\includegraphics) aus Modul 3 sucht TeXbrain die Datei relativ zu main.tex. Liegt sie im falschen Ordner oder heißt anders als im \input-Befehl, bleibt die Stelle leer oder es erscheint eine Fehlermeldung.% Haupttext, Kapitel 1, 2, 3 ...
...
\clearpage
\appendix
\section{Dokumentation des KI-Einsatzes}
\input{ki-verzeichnis.tex}
\end{document}
% Diese Tabelle zeigt, wie der Einsatz
% von KI-Hilfsmitteln dokumentiert wurde.
\begin{tabular}{|p{2.5cm}|p{4cm}|p{3cm}|p{4cm}|}
\hline
\textbf{Hilfsmittel} & \textbf{Einsatzform} & \textbf{Betroffene Teile} & \textbf{Bemerkungen} \\
\hline
ChatGPT & Erklärung von Fachbegriffen & Kapitel 2.1 & Antworten geprüft \\
\hline
DeepL & Übersetzung des Abstracts & Abstract & Anschließend eigenhändig überarbeitet \\
\hline
\end{tabular}
tabularx mit einem zusätzlichen Spaltentyp X statt fester p{…}-Breiten (\usepackage{tabularx}, \begin{tabularx}{\textwidth}{|p{2.4cm}|X|p{2.5cm}|X|}). Das ist kein Pflichtstoff heute — wer mag, probiert es in Aufgabe 2 aus.\section{Fazit}
...
\clearpage
\section{Dokumentation des KI-Einsatzes}
\input{ki-verzeichnis.tex}
\appendix
\end{document}\appendix wirkt nur auf das, was danach kommt. Steht der Befehl erst nach \section{Dokumentation des KI-Einsatzes}, zählt dieser Abschnitt noch ganz normal weiter (hier als 4, im Anschluss an Kapitel 1–3). Die Reihenfolge muss sein: \clearpage → \appendix → \section{…} → \input{…}.Literaturverzeichnis, KI-Verzeichnis im Anhang — oder gar nicht dokumentieren? Entscheidet für jeden Fall.
In einer Informatik-Facharbeit steht neben Text auch Code. Dafür gelten vier Regeln, die die WOG als Fachbereich Informatik festgelegt hat — andere Fächer haben eigene Tabellen.
Warteschlange mit den Methoden enqueue, dequeue und istLeer." — Ergebnis kopiert.IndexError: list index out of range?" — KI erklärt, ihr korrigiert die Schleifengrenze selbst.In Modul 4 habt ihr das Literaturverzeichnis per Hand als itemize-Liste getippt. Bei vier Quellen geht das — bei zwanzig Quellen in der BELL nicht mehr. BibLaTeX übernimmt Sortierung, Formatierung und Nummerierung für euch. (Nicht „BibTeX" — das klassische BibTeX braucht einen externen Verarbeitungsschritt, den TeXbrain im Browser nicht mitbringt. BibLaTeX ist der modernere Nachfolger und funktioniert hier direkt.)
Ihr kennt das Prinzip aus Modul 1: In LaTeX schreibt ihr was etwas ist (\section), nicht wie es aussieht. BibLaTeX macht dasselbe mit Quellen. In der Datei quellen.bib steht nur, wer was wann wo veröffentlicht hat — ein Datensatz pro Quelle. Wie daraus „Mustermann, M. (2022)." oder „[1]" wird, entscheidet der Rest des Dokuments.
@book{mustermann2022,
author = {Mustermann, Max},
title = {Wissenschaftliches Schreiben},
publisher = {Beispiel Verlag},
year = {2022}
}
@misc{czernik2016,
author = {Czernik, Agnieszka},
title = {Was ist ein Algorithmus -- Definition und Beispiele},
year = {2016},
url = {https://www.dr-datenschutz.de/was-ist-ein-algorithmus-definition-und-beispiele/},
note = {Zugriff: 25.07.2025}
}
author, title, publisher, year.author, title, journal, year; dazu volume, pages.author, title, year, url, note (Zugriff).mustermann2022Das Wort direkt nach der geschweiften Klammer ist der Schlüssel (Key). Er kommt im PDF nie vor — er ist nur der Name, unter dem ihr die Quelle im Text aufruft. Konvention: nachname + jahr, klein geschrieben, ohne Umlaute und Leerzeichen.
.bib-Datei ein — direkt nach \usepackage{biblatex}..bib-Endung: \addbibresource{quellen.bib}. Das ersetzt die alte Zwei-Zeilen-Kombination aus klassischem BibTeX.\cite[S.~12]{mustermann2022}. Die Tilde ~ ist ein geschütztes Leerzeichen. Nur Quellen, die irgendwo zitiert werden, erscheinen im Verzeichnis.\bibliographystyle{…} + \bibliography{…}. In echtem BibLaTeX bestimmt eine Stil-Option bei \usepackage[…]{biblatex}, wie die Ausgabe aussieht — dazu gleich mehr..bib-Datei ein url-Feld enthält, braucht main.tex zusätzlich \usepackage{url} — beim Drucken wird der Link automatisch in \url{…} eingepackt, und dieser Befehl muss bekannt sein.\providecommand{\bibname}{Literaturverzeichnis} vor \begin{document} bricht die Kompilierung ab (Command \bibname undefined). Grund: TeXbrains vereinfachter BibLaTeX-Renderer versucht intern, die Verzeichnis-Überschrift umzubenennen — das setzt voraus, dass \bibname bereits existiert, was in der Dokumentklasse article aber nicht der Fall ist. Diese eine Zeile behebt den Fehler und legt gleichzeitig den Text der Überschrift fest. In Overleaf ist sie nicht nötig, stört dort aber auch nicht.author-Feld muss hier ohne Komma geschrieben werden — {Max Mustermann} statt {Mustermann, Max}. Mit Komma vertauscht TeXbrains Renderer Vor- und Nachname (aus „Mustermann, Max" wird fälschlich „M. Max" statt „M. Mustermann"). Achtung: Das ist eine Abweichung von echtem BibTeX/BibLaTeX — dort ist {Nachname, Vorname} die korrekte Konvention, siehe Ausblick-Box unten.In echtem BibLaTeX bestimmt \usepackage[style=apa]{biblatex} das Aussehen — APA mit runden Klammern, nummeriert, oder Kürzel wie „[Mus22]". Getestet und bestätigt: In TeXbrain hat diese Option keine Wirkung. Es kommt immer der eingebaute Nummern-Stil [1], egal welchen Stil ihr einstellt.
[1], [2] — Stiloption wirkungslos\bibname, Autorenname ohne Komma)biber im Hintergrundstyle=apa liefert korrektes APA mit Klammern, alphabetisch sortiert\documentclass{article}
\usepackage{url}
\usepackage{biblatex}
\addbibresource{quellen.bib}
\providecommand{\bibname}{Literaturverzeichnis}
\begin{document}
\section{Grundlagen}
Ein Algorithmus muss eindeutig, endlich und ausführbar sein
\cite[S.~12]{mustermann2022}. Andere Quellen nennen zusätzliche
Merkmale wie Determiniertheit \cite{czernik2016}.
\begin{flushleft}
\printbibliography
\end{flushleft}
\end{document}
babel für deutsche Überschriften, csquotes (von BibLaTeX empfohlen), style=apa für den WOG-Stil, und \parencite statt \cite für den Kurzbeleg in runden Klammern. Die .bib-Datei bekommt dort wieder die echte Konvention {Nachname, Vorname}.\usepackage[ngerman]{babel}
\usepackage{csquotes}
\usepackage{url}
\usepackage[style=apa]{biblatex}
\addbibresource{quellen.bib}
...
\parencite[S.~12]{mustermann2022}
...
\printbibliography
@book{Mustermann2022,
author = {Max Mustermann}, ...
}
... ausführbar sein \cite{mustermann2022}.Mustermann2022 und mustermann2022 sind zwei verschiedene Namen. BibLaTeX findet den zitierten Schlüssel nicht. Fehlende Felder erzeugen nur eine Warnung, der Beleg erscheint trotzdem.@book{schmidt2021,
author = {Anna Schmidt}
title = {Datenstrukturen verstehen},
publisher = {Lehrbuch Verlag},
year = {2021}
}{Vorname Nachname} ohne Komma ja gerade richtig (siehe Eigenheit 2 oben).Command \bibname undefined". Was fehlt?\documentclass{article}
\usepackage{url}
\usepackage{biblatex}
\addbibresource{quellen.bib}
\begin{document}
...\bibname, das die Klasse article aber nicht mitbringt. Die fehlende Zeile ergänzen — fertig.In Modul 4 habt ihr aus diesen Rohdaten einen Harvard-Beleg gebaut. Jetzt wird daraus ein Datensatz — Schritt für Schritt.
Der Typ steht nach dem @ und entscheidet, welche Felder BibLaTeX erwartet.
@book?Wählt genau die vier Pflichtfelder aus. Die Vorschau füllt sich mit eurer Auswahl.
Links der Datensatz, rechts das, was BibLaTeX mit style=apa daraus macht — in Overleaf. In TeXbrain bekommt ihr aus demselben Datensatz stattdessen die nummerierte Version [1], wie ihr gleich in Aufgabe 1 seht.
Ein Algorithmus muss eindeutig, endlich und ausführbar sein (Mustermann, 2022, S. 12).
Mustermann, M. (2022). Wissenschaftliches Schreiben. Beispiel Verlag.
Ab hier arbeitet ihr wieder in TeXbrain. Aufgabe 1 baut direkt auf eurem Dokument aus Modul 4 auf. Alle drei Aufgaben zusammen sind auf den Rest der Doppelstunde ausgelegt.
Öffnet euer TeXbrain-Dokument aus Modul 4 (Aufgabe 1) und ersetzt das handgeschriebene Literaturverzeichnis durch BibLaTeX. Diesmal als echte Zwei-Datei-Struktur über „Open Folder" — genau wie beim KI-Verzeichnis vorhin.
Legt im selben Ordner wie main.tex eine neue Datei quellen.bib an — noch leer.
Achtung, TeXbrain-Eigenheit: author ohne Komma schreiben.
@book{mustermann2022,
author = {Max Mustermann},
title = {Wissenschaftliches Schreiben},
publisher = {Beispiel Verlag},
year = {2022}
}
@misc{czernik2016,
author = {Agnieszka Czernik},
title = {Was ist ein Algorithmus -- Definition und Beispiele},
year = {2016},
url = {https://www.dr-datenschutz.de/was-ist-ein-algorithmus-definition-und-beispiele/},
note = {Zugriff: 25.07.2025}
}
Direkt nach \documentclass{…}, vor \begin{document}:
\usepackage{url}
\usepackage{biblatex}
\addbibresource{quellen.bib}
\providecommand{\bibname}{Literaturverzeichnis}
Ersetzt eure Harvard-Klammerbelege durch \cite-Befehle:
… ausführbar sein \cite[S.~12]{mustermann2022}.
… Determiniertheit und Determinismus \cite{czernik2016}.
Löscht den \section*{Literatur (APA)}-Block mit der itemize-Liste und setzt stattdessen vor \end{document}:
\begin{flushleft}
\printbibliography
\end{flushleft}
Fügt eine dritte Quelle eurer Wahl als @article in quellen.bib ein und zitiert sie in einem neuen Satz im Abschnitt „Einordnung".
quellen.bib als eigene Datei angelegt (Autorenname ohne Komma)main.tex ergänzt, inkl. \providecommand{\bibname}\cite umgestellt (mit Seitenzahl bei Mustermann)\printbibliography ersetzt@article ergänzt und zitiertmain.tex + quellen.bib) im selben Ordner, PDF mit automatisch erzeugtem, nummeriertem Verzeichnis. Vergleicht mit dem handgeschriebenen APA-Verzeichnis aus Modul 4 — die Formatierung ist bewusst anders (nummeriert statt „(Nachname, Jahr)"), das ist TeXbrains Grenze, nicht eurer Fehler.Lest das folgende Szenario und dokumentiert es — dieses Mal mit der Zwei-Datei-Struktur aus Teil 3: Haupttext und Anhang-Tabelle bleiben technisch getrennt.
quicksort.py, versteht die Erklärung und korrigiert den Fehler selbst (Kapitel 4.1). Ihr englisches Abstract hat sie ohne Hilfsmittel geschrieben.
Legt in eurem TeXbrain-Ordner (derselbe wie main.tex aus Aufgabe 1) über „Open Folder" eine zweite Datei namens ki-verzeichnis.tex an — noch leer.
Füllt darin eine Kurztabelle mit den drei Einsätzen aus dem Szenario:
\begin{tabular}{|p{2.5cm}|p{4cm}|p{3cm}|p{4cm}|}
\hline
\textbf{Hilfsmittel} & \textbf{Einsatzform} & \textbf{Betroffene Teile} & \textbf{Bemerkungen} \\
\hline
... & ... & ... & ... \\
\hline
\end{tabular}
Ergänzt darunter die ausführliche Aufführung der zwei Werkzeuge (Name + Version, Anbieter, URL).
Fügt in main.tex, ganz am Ende, diesen Block ein:
\clearpage
\appendix
\section{Dokumentation des KI-Einsatzes}
\input{ki-verzeichnis.tex}
Schreibt für Kapitel 2 einen Satz mit der Quicksort-Aussage und einem passenden KI-Kurzbeleg (Prompt sinnvoll formuliert, Toolname, Datum 02.09.2026). Wichtig: Dieser Satz steht im Haupttext, also vor \clearpage/\appendix aus Schritt 3.
main.tex mit Kurzbeleg und Anhang-Einbindung, ki-verzeichnis.tex mit der Tabelle. Prüft im PDF: Heißt das Kapitel „Anhang A"? Tauscht mit eurem Sitznachbarn und prüft gegenseitig, ob alle drei Einsätze erfasst sind.Denkt an ein Informatik-Thema, das ihr euch für die Facharbeit in Klasse 10 vorstellen könnt. Plant, wie KI dabei vorkommen könnte — und wie nicht.
\section*{KI-Planung} mit einer itemize-Liste ans Ende eures Dokuments. Zwei Planungen werden am Ende der Stunde vorgestellt.\bibliographystyle{…} + \bibliography{…}?main.tex in TeXbrain die Zeile \providecommand{\bibname}{Literaturverzeichnis}, obwohl sie in Overleaf nicht nötig ist?main.tex mit style=apa läuft einmal in TeXbrain, einmal in Overleaf. Was beobachtet ihr?„Die WOG-Regeln ziehen eine Grenze: KI darf erklären, prüfen und Material liefern — aber nicht eure Arbeit machen. Wo liegt diese Grenze für euch persönlich? Gibt es einen Punkt, an dem ihr KI nutzen würdet, obwohl es sich nicht mehr wie Lernen anfühlt?"
Diskutiert zu zweit — und überlegt, warum die Regel für Code strenger ist als für Text.