KI & BibLaTeX · Modul 5 von 5 · Klasse 9

Hilfsmittel ehrlich dokumentieren

Am Ende von Modul 4 blieb eine Frage offen: Ist eine ChatGPT-Antwort eine Quelle wie jede andere? Heute bekommt ihr die Antwort — und lernt nebenbei, wie LaTeX euer Literaturverzeichnis automatisch baut.

🤖 Std. 9+10 · KI-Kennzeichnung & BibLaTeX
Std. 9 · Einstieg

Ist ChatGPT eine Quelle?

Eine Quelle im wissenschaftlichen Sinn hat einen Autor, der für den Inhalt geradesteht, und sie lässt sich von jedem nachprüfen. Vergleicht das mit einer KI-Antwort — und ihr seht, warum die WOG dafür eigene Regeln braucht.

📚 Klassische Quelle

  • hat einen Autor, der verantwortlich ist
  • ist unveränderlich — Seite 12 bleibt Seite 12
  • kann von jedem nachgeschlagen werden
  • wurde meist geprüft (Verlag, Redaktion, Gutachter)
  • gehört ins Literaturverzeichnis

🤖 KI-Antwort

  • hat keinen Autor — ein Modell rechnet Wahrscheinlichkeiten
  • ist nicht reproduzierbar — dieselbe Frage, morgen eine andere Antwort
  • kann von niemandem nachgeschlagen werden
  • kann erfunden sein — inklusive erfundener Quellen
  • ist ein Hilfsmittel, keine Quelle
💡
Die Antwort lautet also: Nein. Eine KI-Antwort ist keine Quelle — aber sie ist auch nicht verboten. Sie ist ein Hilfsmittel wie ein Taschenrechner oder ein Wörterbuch. Der Unterschied: Bei KI muss der Einsatz dokumentiert werden. Genau das regelt die WOG-Vorgabe „Verwendung von KI in der Informatik", die sich an den Leitfäden der Universität Basel (2024) und des KIT (2025) orientiert.
⚠️
Unterlassene Kennzeichnung ist kein Kavaliersdelikt: Wer KI-Einsatz verschweigt, verstößt gegen die Selbstständigkeitserklärung, die ihr bei Facharbeit und BELL unterschreibt. Die Folge kann die Bewertung mit „ungenügend" sein — dieselbe Konsequenz wie bei einem Plagiat.
Std. 9 · WOG-Regel Teil 1

Der Kurzbeleg im Text

Wo ihr eine KI-Antwort für eine Aussage verwendet habt, steht ein Kurzbeleg direkt im Fließtext — genauso wie bei Harvard ein Klammerbeleg. Nur die drei Bestandteile sind andere.

Titel= euer Prompt
→
Toolnamez. B. ChatGPT
→
Datumder Anfrage

Der Prompt übernimmt die Rolle des Titels, das Tool die Rolle des Autors, das Datum ersetzt das Jahr — denn eine KI-Antwort ist tagesgenau. Ein Prompt, der zwei Bildschirmseiten lang war, wird sinnvoll gekürzt.

Beispiel aus dem WOG-Methodenblatt

❌ Ohne Kennzeichnung
Ein Algorithmus muss bestimmten Anforderungen genügen. Er muss eindeutig, endlich und ausführbar sein, außerdem determiniert und deterministisch. Ohne diese Eigenschaften lässt sich ein Verfahren nicht zuverlässig durch einen Computer ausführen.
✅ Mit KI-Kurzbeleg
Ein Algorithmus muss bestimmten Anforderungen genügen. Er muss eindeutig, endlich und ausführbar sein, außerdem determiniert und deterministisch („Welche Eigenschaften hat ein Algorithmus?", ChatGPT, 12.03.2026). Ohne diese Eigenschaften lässt sich ein Verfahren nicht zuverlässig durch einen Computer ausführen.
🔎
Merkt ihr den Unterschied zu Modul 4? Ein Kurzbeleg wie (Mustermann, 2022, S. 12) verweist auf einen Eintrag im Literaturverzeichnis. Der KI-Kurzbeleg verweist auf einen Eintrag im KI-Verzeichnis im Anhang — beide Verzeichnisse werden getrennt geführt.

Fehlersuche: Welcher Kurzbeleg ist korrekt?

Drei Schüler haben dieselbe ChatGPT-Antwort belegt. Nur ein Beleg entspricht der WOG-Regel.

A: Prompt und Tagesdatum fehlen — „2026" ist zu ungenau, die Antwort ist nicht zuzuordnen. C: Das ist ein Literaturverzeichnis-Eintrag im Harvard-Stil — er behandelt die KI wie ein Buch mit Autor.
B ist korrekt: Prompt als Titel, Toolname, Datum der Anfrage — alle drei Bestandteile, direkt im Text an der belegten Stelle.
Std. 9 · WOG-Regel Teil 2

Das KI-Verzeichnis im Anhang

Jeder Kurzbeleg braucht ein Gegenstück — und das steht nicht im Literaturverzeichnis, sondern in einem eigenen Verzeichnis im Anhang. Es besteht aus zwei Teilen.

Teil 1 · Kurztabelle: Was wurde wofür eingesetzt?

HilfsmittelEinsatzformBetroffene Teile der ArbeitBemerkungen
ChatGPTErklärung von Fachbegriffen (Rekursion, Laufzeit)Kapitel 2.1, 2.3Antworten anhand des Schulbuchs geprüft
ChatGPTErzeugung von Testdaten (CSV, 200 Zeilen)Kapitel 4Prompt als Screenshot im Anhang
DeepLÜbersetzung des englischen AbstractsAbstractanschließend eigenhändig überarbeitet
GitHub CopilotFehleranalyse in sortiere.pyKapitel 4.2Fehlermeldung + Lösungsvorschlag dokumentiert

Teil 2 · Ausführliche Aufführung der Werkzeuge

Jedes Werkzeug aus der Tabelle wird einmal vollständig genannt — mit Name und Version, Anbieter und URL. Das entspricht dem, was bei einem Buch der Verlag ist.

Name + VersionAnbieterURL
ChatGPT (GPT-5)OpenAIhttps://chatgpt.com
DeepL Translator (Web-Version)DeepL SEhttps://www.deepl.com
GitHub Copilot (VS-Code-Erweiterung 1.x)GitHub / Microsofthttps://github.com/features/copilot
📄
Für die Facharbeit gibt es den Vordruck „KI-Verzeichnis Informatik" als Word-Datei mit genau dieser Tabelle. Ihr müsst die Struktur also nicht selbst bauen — nur ehrlich ausfüllen. Die neue Selbstständigkeitserklärung bezieht sich ausdrücklich auf dieses Verzeichnis.

Teil 3 · Technisch sauber einbinden: eigene Datei im Anhang

In der Facharbeit ist das KI-Verzeichnis ein eigenes Anhang-Kapitel — meist mit einer langen Tabelle. Statt sie mitten in main.tex zu tippen, lagert ihr sie in eine zweite Datei aus. Das Hauptdokument bleibt übersichtlich, und die Tabelle lässt sich unabhängig bearbeiten.

main.texHaupttext + Anhang-Kapitel
→
\input{…}bindet Datei ein
→
ki-verzeichnis.texnur die Tabelle
Befehl

\appendix

Schaltet die Kapitel-Nummerierung ab dieser Stelle auf Buchstaben um.
↓ Details
Vor \appendix zählt LaTeX Abschnitte als 1, 2, 3 — danach als A, B, C. Ein \section{…} direkt nach \appendix wird automatisch zu „Anhang A", der nächste zu „Anhang B". Setzt \appendix also genau einmal, an der Stelle, wo der Anhang beginnt — meist direkt nach \clearpage.
Befehl

\input{datei}

Fügt den Inhalt einer anderen .tex-Datei an genau dieser Stelle ein.
↓ Details
Für LaTeX ist das Ergebnis identisch, als hättet ihr den Inhalt von ki-verzeichnis.tex selbst an diese Stelle getippt. Die Dateiendung .tex darf angegeben werden oder entfallen — beides funktioniert. Die eingebundene Datei enthält keine eigenen Befehle wie \documentclass oder \begin{document}, nur den reinen Inhalt.
Voraussetzung

Gleicher Ordner

Beide Dateien müssen im selben, per „Open Folder" geöffneten Ordner liegen.
↓ Details
Genau wie beim Einbinden von Bildern (\includegraphics) aus Modul 3 sucht TeXbrain die Datei relativ zu main.tex. Liegt sie im falschen Ordner oder heißt anders als im \input-Befehl, bleibt die Stelle leer oder es erscheint eine Fehlermeldung.
Fertiges Beispiel · main.tex (Ausschnitt)
% Haupttext, Kapitel 1, 2, 3 ...
...

\clearpage
\appendix
\section{Dokumentation des KI-Einsatzes}

\input{ki-verzeichnis.tex}

\end{document}
Fertiges Beispiel · ki-verzeichnis.tex (eigene Datei)
% Diese Tabelle zeigt, wie der Einsatz
% von KI-Hilfsmitteln dokumentiert wurde.

\begin{tabular}{|p{2.5cm}|p{4cm}|p{3cm}|p{4cm}|}
  \hline
  \textbf{Hilfsmittel} & \textbf{Einsatzform} & \textbf{Betroffene Teile} & \textbf{Bemerkungen} \\
  \hline
  ChatGPT & Erklärung von Fachbegriffen & Kapitel 2.1 & Antworten geprüft \\
  \hline
  DeepL & Übersetzung des Abstracts & Abstract & Anschließend eigenhändig überarbeitet \\
  \hline
\end{tabular}
💡
Für Tabellen, die die volle Seitenbreite gleichmäßig ausnutzen sollen, gibt es tabularx mit einem zusätzlichen Spaltentyp X statt fester p{…}-Breiten (\usepackage{tabularx}, \begin{tabularx}{\textwidth}{|p{2.4cm}|X|p{2.5cm}|X|}). Das ist kein Pflichtstoff heute — wer mag, probiert es in Aufgabe 2 aus.

Fehlersuche

Das Anhang-Kapitel heißt im PDF „4 Dokumentation des KI-Einsatzes" statt „Anhang A". Was wurde vertauscht?

Ausschnitt
\section{Fazit}
...

\clearpage
\section{Dokumentation des KI-Einsatzes}
\input{ki-verzeichnis.tex}

\appendix

\end{document}
(kein Fehler oder Warnung — das PDF kompiliert, nummeriert aber falsch)
\appendix wirkt nur auf das, was danach kommt. Steht der Befehl erst nach \section{Dokumentation des KI-Einsatzes}, zählt dieser Abschnitt noch ganz normal weiter (hier als 4, im Anschluss an Kapitel 1–3). Die Reihenfolge muss sein: \clearpage → \appendix → \section{…} → \input{…}.

Entscheidungsaufgabe: Wohin gehört es?

Literaturverzeichnis, KI-Verzeichnis im Anhang — oder gar nicht dokumentieren? Entscheidet für jeden Fall.

1. Ein Schulbuch, aus dem ihr die Definition „Algorithmus" wörtlich zitiert.
2. ChatGPT hat euch erklärt, was ein Binärbaum ist. Ihr habt die Erklärung in eigenen Worten übernommen.
3. Ihr habt den Taschenrechner benutzt, um Laufzeiten in einer Tabelle auszurechnen.
4. DeepL hat euren deutschen Abstract ins Englische übersetzt.
5. Ihr habt einen Blogartikel gelesen, den ChatGPT euch als Quelle genannt hat, und zitiert daraus.
6. Eine Bild-KI hat die Grafik für euer Titelblatt erzeugt.
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Std. 9 · Informatik-Spezifikum

KI beim Programmieren

In einer Informatik-Facharbeit steht neben Text auch Code. Dafür gelten vier Regeln, die die WOG als Fachbereich Informatik festgelegt hat — andere Fächer haben eigene Tabellen.

✓ Erlaubt

Lernen und Verstehen

Ihr lasst euch ein Konzept erklären — Rekursion, Sortierverfahren, eine Bibliothek.
↓ Details
Das ist wie ein Tutorial oder ein Gespräch mit einem Mitschüler. Was ihr dabei lernt und dann selbst umsetzt, ist eure Leistung. Fließt eine konkrete Erklärung als Text in die Arbeit ein, gilt wieder der Kurzbeleg.
✓ Erlaubt · dokumentieren

Testdaten erzeugen

Ihr lasst 500 zufällige Datensätze für euer Programm generieren.
↓ Details
Testdaten sind kein Teil eurer Eigenleistung, aber sie gehören zur Arbeit. Deshalb: Eintrag in der Kurztabelle (Einsatzform „Testdaten", betroffener Teil z. B. „Kapitel 4") und den Prompt aufbewahren.
✓ Erlaubt · dokumentieren

Fehleranalyse

Euer Programm stürzt ab, ihr zeigt der KI die Fehlermeldung und lasst sie den Fehler erklären.
↓ Details
Erlaubt — mit Dokumentationspflicht: Welcher Fehler, welche Erklärung, was habt ihr daraufhin geändert? Die Korrektur setzt ihr selbst um. Das Ganze steht in der Kurztabelle und, wenn es um mehr als eine Zeile geht, im Text des betroffenen Kapitels.
✗ Nicht erlaubt

Längere Codeteile übernehmen

Ihr lasst euch eine ganze Funktion oder Klasse schreiben und fügt sie in die Arbeit ein.
↓ Details
Der Code ist der Kern eurer Facharbeit — er muss von euch stammen. Übernommene Funktionen oder Klassen sind auch mit Kennzeichnung nicht zulässig, weil dann keine Eigenleistung mehr bewertbar ist. Einzelne Zeilen, die ihr verstanden und angepasst habt, fallen unter „Lernen".
🧭
Die Faustregel: KI darf euch erklären, prüfen und Material liefern — aber nicht eure Arbeit machen. Wenn ihr unsicher seid, ob ein Einsatz noch unter „Lernen" fällt: Fragt vorher eure Betreuerin oder euren Betreuer, nicht hinterher.

Entscheidungsaufgabe: Erlaubt, mit Doku, verboten?

1. „Schreib mir eine Python-Klasse Warteschlange mit den Methoden enqueue, dequeue und istLeer." — Ergebnis kopiert.
2. „Warum bekomme ich hier IndexError: list index out of range?" — KI erklärt, ihr korrigiert die Schleifengrenze selbst.
3. „Erkläre mir den Unterschied zwischen Bubblesort und Quicksort." — Danach schreibt ihr beide Verfahren selbst.
4. „Erzeuge eine CSV-Datei mit 300 fiktiven Schülern (Name, Klasse, Note)." — für die Tests eures Notenprogramms.
5. „Mein Sortieralgorithmus ist zu langsam. Schreib ihn so um, dass er schneller läuft." — neue Version eingefügt.
0 / 5 entschieden
Std. 10 · Werkzeug

Literaturverzeichnis automatisch mit BibLaTeX

In Modul 4 habt ihr das Literaturverzeichnis per Hand als itemize-Liste getippt. Bei vier Quellen geht das — bei zwanzig Quellen in der BELL nicht mehr. BibLaTeX übernimmt Sortierung, Formatierung und Nummerierung für euch. (Nicht „BibTeX" — das klassische BibTeX braucht einen externen Verarbeitungsschritt, den TeXbrain im Browser nicht mitbringt. BibLaTeX ist der modernere Nachfolger und funktioniert hier direkt.)

quellen.biballe Rohdaten
+
\cite{…}im .tex-Text
→
BibLaTeXsortiert & formatiert
→
Verzeichnisfertig im PDF

Die Idee: Daten und Darstellung trennen

Ihr kennt das Prinzip aus Modul 1: In LaTeX schreibt ihr was etwas ist (\section), nicht wie es aussieht. BibLaTeX macht dasselbe mit Quellen. In der Datei quellen.bib steht nur, wer was wann wo veröffentlicht hat — ein Datensatz pro Quelle. Wie daraus „Mustermann, M. (2022)." oder „[1]" wird, entscheidet der Rest des Dokuments.

Fertiges Beispiel · quellen.bib
@book{mustermann2022,
  author    = {Mustermann, Max},
  title     = {Wissenschaftliches Schreiben},
  publisher = {Beispiel Verlag},
  year      = {2022}
}

@misc{czernik2016,
  author = {Czernik, Agnieszka},
  title  = {Was ist ein Algorithmus -- Definition und Beispiele},
  year   = {2016},
  url    = {https://www.dr-datenschutz.de/was-ist-ein-algorithmus-definition-und-beispiele/},
  note   = {Zugriff: 25.07.2025}
}
Eintragstyp

@book

Ein Buch. Pflichtfelder: author, title, publisher, year.
Eintragstyp

@article

Zeitschriftenartikel. Pflichtfelder: author, title, journal, year; dazu volume, pages.
Eintragstyp

@misc

Alles andere — vor allem Websites. Felder: author, title, year, url, note (Zugriff).

Der Schlüssel: mustermann2022

Das Wort direkt nach der geschweiften Klammer ist der Schlüssel (Key). Er kommt im PDF nie vor — er ist nur der Name, unter dem ihr die Quelle im Text aufruft. Konvention: nachname + jahr, klein geschrieben, ohne Umlaute und Leerzeichen.

Befehl

\addbibresource{…}

Bindet die .bib-Datei ein — direkt nach \usepackage{biblatex}.
↓ Details
Anders als früher steht der Dateiname hier mit .bib-Endung: \addbibresource{quellen.bib}. Das ersetzt die alte Zwei-Zeilen-Kombination aus klassischem BibTeX.
Befehl

\cite{key}

Setzt an dieser Stelle den Kurzbeleg — und merkt sich, dass die Quelle ins Verzeichnis muss.
↓ Details
Mit eckiger Klammer davor gebt ihr die Seite an: \cite[S.~12]{mustermann2022}. Die Tilde ~ ist ein geschütztes Leerzeichen. Nur Quellen, die irgendwo zitiert werden, erscheinen im Verzeichnis.
Befehl

\printbibliography

Erzeugt an dieser Stelle das komplette Literaturverzeichnis.
↓ Details
Ein einziger Befehl statt der alten Kombination \bibliographystyle{…} + \bibliography{…}. In echtem BibLaTeX bestimmt eine Stil-Option bei \usepackage[…]{biblatex}, wie die Ausgabe aussieht — dazu gleich mehr.
🔗
Sobald eure .bib-Datei ein url-Feld enthält, braucht main.tex zusätzlich \usepackage{url} — beim Drucken wird der Link automatisch in \url{…} eingepackt, und dieser Befehl muss bekannt sein.
⚠️
TeXbrain-Eigenheit 1: Ohne die Zeile \providecommand{\bibname}{Literaturverzeichnis} vor \begin{document} bricht die Kompilierung ab (Command \bibname undefined). Grund: TeXbrains vereinfachter BibLaTeX-Renderer versucht intern, die Verzeichnis-Überschrift umzubenennen — das setzt voraus, dass \bibname bereits existiert, was in der Dokumentklasse article aber nicht der Fall ist. Diese eine Zeile behebt den Fehler und legt gleichzeitig den Text der Überschrift fest. In Overleaf ist sie nicht nötig, stört dort aber auch nicht.
⚠️
TeXbrain-Eigenheit 2: Das author-Feld muss hier ohne Komma geschrieben werden — {Max Mustermann} statt {Mustermann, Max}. Mit Komma vertauscht TeXbrains Renderer Vor- und Nachname (aus „Mustermann, Max" wird fälschlich „M. Max" statt „M. Mustermann"). Achtung: Das ist eine Abweichung von echtem BibTeX/BibLaTeX — dort ist {Nachname, Vorname} die korrekte Konvention, siehe Ausblick-Box unten.

Stilwahl: geht nur in Overleaf

In echtem BibLaTeX bestimmt \usepackage[style=apa]{biblatex} das Aussehen — APA mit runden Klammern, nummeriert, oder Kürzel wie „[Mus22]". Getestet und bestätigt: In TeXbrain hat diese Option keine Wirkung. Es kommt immer der eingebaute Nummern-Stil [1], egal welchen Stil ihr einstellt.

💻 TeXbrain

  • läuft direkt im Browser, kein Account nötig
  • Ausgabe immer nummeriert [1], [2] — Stiloption wirkungslos
  • zwei Workarounds nötig (\bibname, Autorenname ohne Komma)
  • gut zum Prinzip verstehen, nicht WOG-konform

☁️ Overleaf

  • kostenloser Account nötig
  • volle BibLaTeX-Funktionalität mit biber im Hintergrund
  • style=apa liefert korrektes APA mit Klammern, alphabetisch sortiert
  • keine Workarounds nötig — für die echte Abgabe (Referat, Facharbeit, BELL)
Fertiges Beispiel · main.tex (TeXbrain)
\documentclass{article}

\usepackage{url}
\usepackage{biblatex}
\addbibresource{quellen.bib}
\providecommand{\bibname}{Literaturverzeichnis}

\begin{document}

\section{Grundlagen}
Ein Algorithmus muss eindeutig, endlich und ausführbar sein
\cite[S.~12]{mustermann2022}. Andere Quellen nennen zusätzliche
Merkmale wie Determiniertheit \cite{czernik2016}.

\begin{flushleft}
\printbibliography
\end{flushleft}

\end{document}
Ausblick · WOG-konforme Abgabe (Overleaf)

Echtes APA mit BibLaTeX

Für eine Facharbeit oder die BELL, bei der der Zitierstil zählt, wechselt ihr zu Overleaf. Vier Anpassungen gegenüber der TeXbrain-Version: babel für deutsche Überschriften, csquotes (von BibLaTeX empfohlen), style=apa für den WOG-Stil, und \parencite statt \cite für den Kurzbeleg in runden Klammern. Die .bib-Datei bekommt dort wieder die echte Konvention {Nachname, Vorname}.
\usepackage[ngerman]{babel} \usepackage{csquotes} \usepackage{url} \usepackage[style=apa]{biblatex} \addbibresource{quellen.bib} ... \parencite[S.~12]{mustermann2022} ... \printbibliography

Fehlersuche

Im PDF fehlt der Kurzbeleg, im Verzeichnis fehlt die Quelle. Woran liegt es?

Ausschnitt
@book{Mustermann2022,
  author = {Max Mustermann}, ...
}

... ausführbar sein \cite{mustermann2022}.
Package biblatex Warning: Citation 'mustermann2022' undefined.
Schlüssel sind case-sensitive: Mustermann2022 und mustermann2022 sind zwei verschiedene Namen. BibLaTeX findet den zitierten Schlüssel nicht. Fehlende Felder erzeugen nur eine Warnung, der Beleg erscheint trotzdem.

Die Kompilierung bricht ab. Findet den Tippfehler.

Ausschnitt
@book{schmidt2021,
  author    = {Anna Schmidt}
  title     = {Datenstrukturen verstehen},
  publisher = {Lehrbuch Verlag},
  year      = {2021}
}
Fehler beim Einlesen von quellen.bib, Zeile 3: Komma erwartet.
Jedes Feld endet mit einem Komma — nur beim letzten darf es fehlen. Die zweite Option ist hier bewusst ein Ablenker: In TeXbrain ist {Vorname Nachname} ohne Komma ja gerade richtig (siehe Eigenheit 2 oben).

Die Kompilierung bricht ab mit „Command \bibname undefined". Was fehlt?

Ausschnitt
\documentclass{article}

\usepackage{url}
\usepackage{biblatex}
\addbibresource{quellen.bib}

\begin{document}
...
LaTeX Error: Command \bibname undefined.
Das ist Eigenheit 1 von oben: TeXbrains Renderer braucht \bibname, das die Klasse article aber nicht mitbringt. Die fehlende Zeile ergänzen — fertig.
Std. 10 · Werkstatt

Baut euren ersten BibLaTeX-Eintrag

In Modul 4 habt ihr aus diesen Rohdaten einen Harvard-Beleg gebaut. Jetzt wird daraus ein Datensatz — Schritt für Schritt.

1
2
3
Autor: Mustermann, Max
Jahr: 2022
Titel: Wissenschaftliches Schreiben
Verlag: Beispiel Verlag
Art: Buch

Schritt 1 · Welcher Eintragstyp passt?

Der Typ steht nach dem @ und entscheidet, welche Felder BibLaTeX erwartet.

Schritt 2 · Welche Felder braucht ein @book?

Wählt genau die vier Pflichtfelder aus. Die Vorschau füllt sich mit eurer Auswahl.

author
journal
title
url
publisher
note
year
pages

Schritt 3 · Fertig — so sieht das Ergebnis aus

Links der Datensatz, rechts das, was BibLaTeX mit style=apa daraus macht — in Overleaf. In TeXbrain bekommt ihr aus demselben Datensatz stattdessen die nummerierte Version [1], wie ihr gleich in Aufgabe 1 seht.

@book{mustermann2022, author = {Mustermann, Max}, title = {Wissenschaftliches Schreiben}, publisher = {Beispiel Verlag}, year = {2022} }
Ausgabe im PDF · Overleaf, style=apa

Ein Algorithmus muss eindeutig, endlich und ausführbar sein (Mustermann, 2022, S. 12).

Literatur

Mustermann, M. (2022). Wissenschaftliches Schreiben. Beispiel Verlag.

✓ Ihr habt den Datensatz einmal getippt — Kurzbeleg und Verzeichnis-Eintrag baut BibLaTeX ab jetzt selbst.
Std. 10 · Praxisaufgaben

Jetzt selbst anwenden

Ab hier arbeitet ihr wieder in TeXbrain. Aufgabe 1 baut direkt auf eurem Dokument aus Modul 4 auf. Alle drei Aufgaben zusammen sind auf den Rest der Doppelstunde ausgelegt.

Aufgabe 1 · Pflicht — Von Hand zu BibLaTeX

ca. 25 Min

Öffnet euer TeXbrain-Dokument aus Modul 4 (Aufgabe 1) und ersetzt das handgeschriebene Literaturverzeichnis durch BibLaTeX. Diesmal als echte Zwei-Datei-Struktur über „Open Folder" — genau wie beim KI-Verzeichnis vorhin.

1

Zweite Datei anlegen

Legt im selben Ordner wie main.tex eine neue Datei quellen.bib an — noch leer.

2

quellen.bib befüllen

Achtung, TeXbrain-Eigenheit: author ohne Komma schreiben.

@book{mustermann2022, author = {Max Mustermann}, title = {Wissenschaftliches Schreiben}, publisher = {Beispiel Verlag}, year = {2022} } @misc{czernik2016, author = {Agnieszka Czernik}, title = {Was ist ein Algorithmus -- Definition und Beispiele}, year = {2016}, url = {https://www.dr-datenschutz.de/was-ist-ein-algorithmus-definition-und-beispiele/}, note = {Zugriff: 25.07.2025} }
3

Kopf von main.tex ergänzen

Direkt nach \documentclass{…}, vor \begin{document}:

\usepackage{url} \usepackage{biblatex} \addbibresource{quellen.bib} \providecommand{\bibname}{Literaturverzeichnis}
4

Belege umstellen

Ersetzt eure Harvard-Klammerbelege durch \cite-Befehle:

… ausführbar sein \cite[S.~12]{mustermann2022}. … Determiniertheit und Determinismus \cite{czernik2016}.
5

Verzeichnis erzeugen lassen

Löscht den \section*{Literatur (APA)}-Block mit der itemize-Liste und setzt stattdessen vor \end{document}:

\begin{flushleft} \printbibliography \end{flushleft}
6

Dritte Quelle ergänzen

Fügt eine dritte Quelle eurer Wahl als @article in quellen.bib ein und zitiert sie in einem neuen Satz im Abschnitt „Einordnung".

0 / 5 erledigt
📤 Abgabe: Zwei Dateien (main.tex + quellen.bib) im selben Ordner, PDF mit automatisch erzeugtem, nummeriertem Verzeichnis. Vergleicht mit dem handgeschriebenen APA-Verzeichnis aus Modul 4 — die Formatierung ist bewusst anders (nummeriert statt „(Nachname, Jahr)"), das ist TeXbrains Grenze, nicht eurer Fehler.

Aufgabe 2 · KI-Verzeichnis als eigene Datei

ca. 20–25 Min

Lest das folgende Szenario und dokumentiert es — dieses Mal mit der Zwei-Datei-Struktur aus Teil 3: Haupttext und Anhang-Tabelle bleiben technisch getrennt.

Szenario: Lina schreibt ihre Facharbeit über Sortierverfahren. Am 02.09.2026 lässt sie sich von ChatGPT erklären, warum Quicksort im Durchschnitt schneller ist als Bubblesort, und übernimmt die Kernaussage sinngemäß in Kapitel 2. Am 05.09.2026 erzeugt sie mit ChatGPT eine Liste von 1000 Zufallszahlen als Testdaten für ihr Sortierprogramm. Am 08.09.2026 zeigt sie GitHub Copilot eine Fehlermeldung in quicksort.py, versteht die Erklärung und korrigiert den Fehler selbst (Kapitel 4.1). Ihr englisches Abstract hat sie ohne Hilfsmittel geschrieben.
1

Neue Datei anlegen

Legt in eurem TeXbrain-Ordner (derselbe wie main.tex aus Aufgabe 1) über „Open Folder" eine zweite Datei namens ki-verzeichnis.tex an — noch leer.

2

Tabelle in die neue Datei schreiben

Füllt darin eine Kurztabelle mit den drei Einsätzen aus dem Szenario:

\begin{tabular}{|p{2.5cm}|p{4cm}|p{3cm}|p{4cm}|} \hline \textbf{Hilfsmittel} & \textbf{Einsatzform} & \textbf{Betroffene Teile} & \textbf{Bemerkungen} \\ \hline ... & ... & ... & ... \\ \hline \end{tabular}

Ergänzt darunter die ausführliche Aufführung der zwei Werkzeuge (Name + Version, Anbieter, URL).

3

Datei im Hauptdokument einbinden

Fügt in main.tex, ganz am Ende, diesen Block ein:

\clearpage \appendix \section{Dokumentation des KI-Einsatzes} \input{ki-verzeichnis.tex}
4

Kurzbeleg im Haupttext ergänzen

Schreibt für Kapitel 2 einen Satz mit der Quicksort-Aussage und einem passenden KI-Kurzbeleg (Prompt sinnvoll formuliert, Toolname, Datum 02.09.2026). Wichtig: Dieser Satz steht im Haupttext, also vor \clearpage/\appendix aus Schritt 3.

📤 Abgabe: Zwei Dateien im selben Ordner — main.tex mit Kurzbeleg und Anhang-Einbindung, ki-verzeichnis.tex mit der Tabelle. Prüft im PDF: Heißt das Kapitel „Anhang A"? Tauscht mit eurem Sitznachbarn und prüft gegenseitig, ob alle drei Einsätze erfasst sind.

Aufgabe 3 · Eure eigene Facharbeit

ca. 15 Min

Denkt an ein Informatik-Thema, das ihr euch für die Facharbeit in Klasse 10 vorstellen könnt. Plant, wie KI dabei vorkommen könnte — und wie nicht.

📤 Abgabe: Als \section*{KI-Planung} mit einer itemize-Liste ans Ende eures Dokuments. Zwei Planungen werden am Ende der Stunde vorgestellt.
Std. 10 · Wissenscheck

Teste dein Wissen

1. Warum ist eine ChatGPT-Antwort keine Quelle im wissenschaftlichen Sinn?
2. Welche drei Bestandteile hat der KI-Kurzbeleg nach WOG-Regel?
3. Wo steht das Verzeichnis der KI-Hilfsmittel?
4. Welcher KI-Einsatz ist in der Informatik-Facharbeit nicht erlaubt?
5. Welcher Befehl ersetzt in BibLaTeX die alte Kombination \bibliographystyle{…} + \bibliography{…}?
6. Warum braucht main.tex in TeXbrain die Zeile \providecommand{\bibname}{Literaturverzeichnis}, obwohl sie in Overleaf nicht nötig ist?
7. Dieselbe main.tex mit style=apa läuft einmal in TeXbrain, einmal in Overleaf. Was beobachtet ihr?
0/7richtig beantwortet
Reflexion · Ende des Lernbereichs
„Die WOG-Regeln ziehen eine Grenze: KI darf erklären, prüfen und Material liefern — aber nicht eure Arbeit machen. Wo liegt diese Grenze für euch persönlich? Gibt es einen Punkt, an dem ihr KI nutzen würdet, obwohl es sich nicht mehr wie Lernen anfühlt?"

Diskutiert zu zweit — und überlegt, warum die Regel für Code strenger ist als für Text.