Münze
Ausgangssituation
Eine Münze wird geworfen. Sie kann auf zwei Seiten landen: Kopf oder Zahl.
Das ist ein einfacher Zufallsversuch: Man kennt die möglichen Ergebnisse, aber man kann das einzelne Ergebnis nicht sicher vorhersagen.
Erste Begriffe
| Begriff | Bedeutung bei einer Münze |
|---|---|
| Zufallsversuch | Ein Vorgang, dessen Ergebnis nicht sicher vorhersagbar ist. Beispiel: Eine Münze wird einmal geworfen. |
| Ergebnis | Ein einzelner möglicher Ausgang des Zufallsversuchs. Beim Münzwurf: $K$ oder $Z$. |
| Ergebnismenge | Die Menge aller möglichen Ergebnisse. |
Dabei steht $K$ für Kopf und $Z$ für Zahl.
Laplace-Versuch
Ein Laplace-Versuch ist ein Zufallsversuch mit endlich vielen Ergebnissen, bei dem alle Ergebnisse gleich wahrscheinlich sind.
Eine faire Münze ist ein Laplace-Versuch, weil Kopf und Zahl gleich wahrscheinlich sind. Eine gezinkte oder unfaire Münze wäre kein Laplace-Versuch.
Ereignis
Ein Ereignis ist eine Menge von Ergebnissen.
| Ereignis | Bedeutung |
|---|---|
| $A=\{K\}$ | Es fällt Kopf. |
| $B=\{Z\}$ | Es fällt Zahl. |
| $C=\{K,Z\}$ | Es fällt Kopf oder Zahl. Das ist das sichere Ereignis. |
| $D=\varnothing$ | Es fällt weder Kopf noch Zahl. Das ist das unmögliche Ereignis. |
Wahrscheinlichkeit
Bei einer fairen Münze sind Kopf und Zahl gleich wahrscheinlich.
Das bedeutet nicht, dass bei zwei Würfen garantiert einmal Kopf und einmal Zahl fällt. Es bedeutet: Auf lange Sicht erwartet man ungefähr gleich viele Köpfe wie Zahlen.
Gegenereignis
Zum Ereignis $A=\{K\}$ gehört das Gegenereignis $\overline{A}=\{Z\}$.
Beim Münzwurf heißt das:
Sicheres und unmögliches Ereignis
| Ereignis | Wahrscheinlichkeit | Bedeutung |
|---|---|---|
| $\Omega$ | $P(\Omega)=1$ | Ein Ergebnis aus der Ergebnismenge tritt sicher ein. |
| $\varnothing$ | $P(\varnothing)=0$ | Ein unmögliches Ereignis tritt nie ein. |
Zweimal werfen
Jetzt wird die Münze zweimal geworfen. Dann besteht ein Ergebnis aus zwei Zeichen, weil jeder Wurf ein Ergebnis liefert.
Bei einer fairen Münze hat jedes dieser vier Ergebnisse die Wahrscheinlichkeit $\frac14$.
Ereignisse beim zweimaligen Münzwurf
| Beschreibung | Ereignis | Rechnung |
|---|---|---|
| genau einmal Kopf | $\{KZ,ZK\}$ | $P(KZ)+P(ZK)=\frac14+\frac14=\frac12$ |
| mindestens einmal Kopf | $\{KK,KZ,ZK\}$ | $P(KK)+P(KZ)+P(ZK)=\frac14+\frac14+\frac14=\frac34$ |
| höchstens einmal Kopf | $\{KZ,ZK,ZZ\}$ | $P(KZ)+P(ZK)+P(ZZ)=\frac14+\frac14+\frac14=\frac34$ |
| kein Kopf | $\{ZZ\}$ | $P(ZZ)=\frac14$ |
| zweimal Kopf | $\{KK\}$ | $P(KK)=\frac14$ |
Zentrale Sprachbegriffe
| Ausdruck | Bedeutung beim zweimaligen Münzwurf |
|---|---|
| genau einmal Kopf | $KZ$ oder $ZK$ |
| mindestens einmal Kopf | $KK$, $KZ$ oder $ZK$ |
| höchstens einmal Kopf | $KZ$, $ZK$ oder $ZZ$ |
| kein Kopf | $ZZ$ |
| zweimal Kopf | $KK$ |
Baumdiagramm
Situation
Eine faire Münze wird zweimal geworfen. Der Zufallsversuch besteht also aus zwei Schritten: erster Wurf und zweiter Wurf.
Ein Baumdiagramm zeigt alle möglichen Abläufe geordnet von links nach rechts.
Elemente des Baumdiagramms
Startknoten
Hier beginnt der Zufallsversuch. Von diesem Punkt aus verzweigt sich der Baum in die möglichen Ergebnisse des ersten Wurfes.
Stufe
Eine Stufe gehört zu einem Schritt des Zufallsversuchs. Hier gibt es zwei Stufen: den ersten Wurf und den zweiten Wurf.
Ast
Ein Ast verbindet zwei Knoten. Er zeigt, wie der Versuch weitergehen kann. Die Beschriftung der Ergebnisse steht hier in den Knoten, nicht auf den Ästen.
Astwahrscheinlichkeit
Unter einem Ast steht die Wahrscheinlichkeit für diese Fortsetzung. Bei einer fairen Münze ist sie bei jedem Wurf $\frac12$.
Knoten
Ein Knoten markiert einen Zustand nach einem Schritt. Nach dem ersten Wurf steht dort $K$ oder $Z$; nach dem zweiten Wurf wieder $K$ oder $Z$.
Pfad
Ein Pfad ist ein vollständiger Weg vom Start bis zum Ende. Zum Beispiel beschreibt der Pfad $KZ$: zuerst Kopf, danach Zahl.
Ergebnis
Das Ergebnis eines zweistufigen Versuchs besteht aus beiden Würfen. Deshalb entstehen $KK$, $KZ$, $ZK$ und $ZZ$.
Günstiger Pfad
Ein günstiger Pfad gehört zum gesuchten Ereignis. Für „genau einmal Kopf“ sind $KZ$ und $ZK$ günstig.
Pfadwahrscheinlichkeit
Die Wahrscheinlichkeit eines vollständigen Pfades berechnet man, indem man die Wahrscheinlichkeiten entlang des Pfades multipliziert.
Baumdiagramm
Ereignis auswählen
Klicke auf eine Zeile. Die günstigen Pfade werden im Baumdiagramm markiert.
| Beschreibung | Ereignis | Günstige Pfade |
|---|---|---|
| genau einmal Kopf | $\{KZ,ZK\}$ | $KZ$, $ZK$ |
| mindestens einmal Kopf | $\{KK,KZ,ZK\}$ | $KK$, $KZ$, $ZK$ |
| höchstens einmal Kopf | $\{KZ,ZK,ZZ\}$ | $KZ$, $ZK$, $ZZ$ |
| kein Kopf | $\{ZZ\}$ | $ZZ$ |
| zweimal Kopf | $\{KK\}$ | $KK$ |
Pfadregeln
1. Pfadregel · multiplizieren
Entlang eines einzelnen Pfades werden die Wahrscheinlichkeiten der Äste multipliziert.
2. Pfadregel · addieren
Gehören mehrere Pfade zu einem Ereignis, dann werden die Wahrscheinlichkeiten dieser günstigen Pfade addiert.
Berechnung zur Auswahl
Gegenereignis im Baumdiagramm
Manchmal ist es einfacher, das Gegenereignis zu berechnen. Das Gegenereignis besteht aus allen Pfaden, die nicht zum gesuchten Ereignis gehören.
Beispiel: „mindestens einmal Kopf" ist das Gegenereignis von „kein Kopf".
Pfadregeln
Experiment
Eine Urne enthält rote, grüne und blaue Kugeln. Es wird zwei- oder dreimal gezogen.
Bei mit Zurücklegen kommt die gezogene Kugel nach jedem Zug zurück in die Urne. Bei ohne Zurücklegen bleibt sie draußen.
Wie werden hier Pfadregeln angewendet?
Ein Pfad ist eine konkrete Reihenfolge von Ziehungen, zum Beispiel $RB$: zuerst rot, danach blau.
Die Pfadregeln sagen, wie man aus solchen Pfaden die Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses berechnet.
Wir bezeichnen die Anzahl der roten Kugeln mit $r$, die Anzahl der grünen Kugeln mit $g$, die Anzahl der blauen Kugeln mit $b$ und die Gesamtzahl aller Kugeln mit $n$.
1. Pfadregel · multiplizieren
Die Wahrscheinlichkeit eines einzelnen Pfades berechnet man, indem man die Wahrscheinlichkeiten entlang dieses Pfades multipliziert.
Mit Zurücklegen bleiben die Anzahlen in der Urne gleich:
Ohne Zurücklegen ändert sich die Urne nach der ersten Ziehung:
2. Pfadregel · addieren
Wenn ein Ereignis aus mehreren günstigen Pfaden besteht, werden die Wahrscheinlichkeiten dieser Pfade addiert.
Beispiel: Bei zwei Ziehungen bedeutet „genau eine rote Kugel“:
Steuerelemente
Baumdiagramm
Dynamische Berechnung
Günstige Pfade
| Pfad | Pfadwahrscheinlichkeit |
|---|
Übungen
Aufgabe 1 · Münze dreimal werfen
Eine faire Münze wird dreimal geworfen.
a) Wie viele Ergebnisse hat der Zufallsversuch? Schreibe die Ergebnismenge $\Omega$ auf.
b) Berechne $P(\text{genau zweimal Kopf})$ mithilfe eines Baumdiagramms.
c) Berechne $P(\text{mindestens einmal Kopf})$ mithilfe des Gegenereignisses.
d) Berechne $P(\text{mindestens zweimal Zahl})$.
Lösung anzeigen
$\Omega=\{KKK,\,KKZ,\,KZK,\,KZZ,\,ZKK,\,ZKZ,\,ZZK,\,ZZZ\}$
b) Günstige Ergebnisse: $KKZ$, $KZK$, $ZKK$. Jedes hat Wahrscheinlichkeit $\frac{1}{2}\cdot\frac{1}{2}\cdot\frac{1}{2}=\frac{1}{8}$.
$P(\text{genau zweimal Kopf})=3\cdot\frac{1}{8}=\frac{3}{8}$
c) Gegenereignis „kein Kopf" $=\{ZZZ\}$, $P(ZZZ)=\frac{1}{8}$.
$P(\text{mindestens einmal Kopf})=1-\frac{1}{8}=\frac{7}{8}$
d) Günstige Ergebnisse: $KZZ$, $ZKZ$, $ZZK$, $ZZZ$ — also 4 Ergebnisse.
$P(\text{mindestens zweimal Zahl})=\frac{4}{8}=\frac{1}{2}$
Aufgabe 2 · Glücksrad
Ein Glücksrad ist in vier Sektoren eingeteilt. Es wird zweimal gedreht.
| Sektor | Farbe | Anteil | Wahrscheinlichkeit |
|---|---|---|---|
| A | rot | $\frac{1}{4}$ des Rades | $P(A)=\frac{1}{4}$ |
| B | blau | $\frac{1}{4}$ des Rades | $P(B)=\frac{1}{4}$ |
| C | grün | $\frac{1}{4}$ des Rades | $P(C)=\frac{1}{4}$ |
| D | grün | $\frac{1}{4}$ des Rades | $P(D)=\frac{1}{4}$ |
a) Ist dies ein Laplace-Versuch? Begründe.
b) Berechne $P(\text{beim ersten Drehen grün})$.
c) Das Rad wird zweimal gedreht. Berechne $P(\text{beide Male grün})$.
d) Berechne $P(\text{mindestens einmal grün bei zwei Drehungen})$ mithilfe des Gegenereignisses.
e) Berechne $P(\text{beide Male dieselbe Farbe})$.
Lösung anzeigen
b) Grün sind C und D, also zwei von vier Sektoren.
$P(\text{grün})=\frac{2}{4}=\frac{1}{2}$
c) Die Drehungen sind unabhängig voneinander (mit Zurücklegen).
$P(\text{beide grün})=\frac{1}{2}\cdot\frac{1}{2}=\frac{1}{4}$
d) Gegenereignis „kein Grün": beide Male A oder B.
$P(\text{kein Grün})=\frac{1}{2}\cdot\frac{1}{2}=\frac{1}{4}$
$P(\text{mindestens einmal grün})=1-\frac{1}{4}=\frac{3}{4}$
e) Günstige Paare: $AA$, $BB$, $CC$, $DD$, $CD$, $DC$ (C und D sind beide grün, also gilt auch grün+grün).
Exakter: gleiche Farbe bedeutet rot+rot, blau+blau oder grün+grün.
$P(\text{rot+rot})=\frac{1}{4}\cdot\frac{1}{4}=\frac{1}{16}$
$P(\text{blau+blau})=\frac{1}{4}\cdot\frac{1}{4}=\frac{1}{16}$
$P(\text{grün+grün})=\frac{1}{2}\cdot\frac{1}{2}=\frac{4}{16}$
$P(\text{gleiche Farbe})=\frac{1}{16}+\frac{1}{16}+\frac{4}{16}=\frac{6}{16}=\frac{3}{8}$
Aufgabe 3 · Urne ohne Zurücklegen
Eine Urne enthält 4 rote, 3 blaue und 2 grüne Kugeln. Es wird dreimal ohne Zurücklegen gezogen.
a) Wie viele Kugeln sind insgesamt in der Urne?
b) Berechne $P(\text{erste Kugel rot})$.
c) Berechne $P(\text{erste rot, zweite blau, dritte grün})$.
d) Berechne $P(\text{mindestens eine grüne Kugel})$ mithilfe des Gegenereignisses.
Lösung anzeigen
b) $P(\text{rot})=\frac{4}{9}$
c) Nach Ziehen einer roten Kugel: 8 Kugeln übrig, davon 3 blau.
Nach Ziehen einer blauen Kugel: 7 Kugeln übrig, davon 2 grün.
$P(RBG)=\frac{4}{9}\cdot\frac{3}{8}\cdot\frac{2}{7}=\frac{24}{504}=\frac{1}{21}$
d) Gegenereignis „keine grüne Kugel": alle drei Züge aus den 7 nicht-grünen Kugeln.
$P(\text{keine grüne})=\frac{7}{9}\cdot\frac{6}{8}\cdot\frac{5}{7}=\frac{210}{504}=\frac{5}{12}$
$P(\text{mindestens eine grüne})=1-\frac{5}{12}=\frac{7}{12}$
Aufgabe 4 · Urne mit zwei Farben
Eine Urne enthält 3 rote und 2 blaue Kugeln. Es wird zweimal ohne Zurücklegen gezogen.
a) Zeichne ein Baumdiagramm und trage alle Astwahrscheinlichkeiten ein.
b) Berechne $P(\text{beide Kugeln gleiche Farbe})$.
c) Berechne $P(\text{mindestens eine rote Kugel})$ mithilfe des Gegenereignisses.
Lösung anzeigen
$P(RR)=\frac{3}{5}\cdot\frac{2}{4}=\frac{6}{20}=\frac{3}{10}$
$P(BB)=\frac{2}{5}\cdot\frac{1}{4}=\frac{2}{20}=\frac{1}{10}$
$P(\text{gleiche Farbe})=\frac{3}{10}+\frac{1}{10}=\frac{4}{10}=\frac{2}{5}$
c) Gegenereignis „keine rote" $=BB$.
$P(\text{mindestens eine rote})=1-P(BB)=1-\frac{1}{10}=\frac{9}{10}$
Aufgabe 5 · Würfel
Ein fairer Würfel wird zweimal geworfen. Berechne $P(\text{mindestens eine }6)$.
Hinweis: Nutze das Gegenereignis.
Lösung anzeigen
$P(\text{keine 6})=\frac{5}{6}\cdot\frac{5}{6}=\frac{25}{36}$
$P(\text{mindestens eine 6})=1-\frac{25}{36}=\frac{11}{36}$
Aufgabe 6 · Drehtrommel
Eine Drehtrommel hat 8 gleich große Felder: 3 rote, 2 blaue und 3 gelbe. Sie wird zweimal gedreht.
a) Gib die Wahrscheinlichkeiten $P(R)$, $P(B)$ und $P(G)$ an.
b) Ist dies ein Laplace-Versuch? Begründe.
c) Die Trommel wird zweimal gedreht. Berechne $P(\text{beide Male rot})$.
d) Berechne $P(\text{mindestens einmal gelb})$ mithilfe des Gegenereignisses.
e) Berechne $P(\text{erste Drehung rot, zweite Drehung blau oder gelb})$.
Lösung anzeigen
b) Nein — die Felder sind zwar gleich groß, aber die drei Farben haben unterschiedliche Wahrscheinlichkeiten ($\frac{3}{8}\neq\frac{1}{4}$). Ein Laplace-Versuch läge vor, wenn alle Ergebnisse gleich wahrscheinlich wären.
c) $P(\text{beide rot})=\frac{3}{8}\cdot\frac{3}{8}=\frac{9}{64}$
d) Gegenereignis „kein Gelb": beide Male rot oder blau, $P(\text{nicht G})=\frac{5}{8}$.
$P(\text{kein Gelb})=\frac{5}{8}\cdot\frac{5}{8}=\frac{25}{64}$
$P(\text{mindestens einmal gelb})=1-\frac{25}{64}=\frac{39}{64}$
e) „Blau oder Gelb" beim zweiten Drehen: $P(B\cup G)=\frac{2}{8}+\frac{3}{8}=\frac{5}{8}$.
$P(\text{erst rot, dann B oder G})=\frac{3}{8}\cdot\frac{5}{8}=\frac{15}{64}$